Heider Druck – eine umweltfreundliche Druckerei im Interview.

Natürlich nachhaltig. Das ist der Slogan der Heider Druck GmbH aus Bergisch Gladbach. In meinem Artikel Kriterien zur Auswahl umweltfreundlicher Druckereien, erläutere ich ja bereits umfangreich, welche Kriterien hier meiner Meinung nach ausschlaggebend sind. Da dachte ich mir, es interessiert dich vielleicht, was umweltfreundliche Druckereien zu diesem Thema zu sagen haben & welche konkreten Maßnahmen dort umgesetzt werden. Immerhin werden ökologische & nachhaltige Themen durchaus kontrovers diskutiert & von Druckerei zu Druckerei unterschiedlich umgesetzt. Daher scheint es mir nur von Vorteil zu sein, möglichst viele Stimmen zu diesen komplexen Fragestellungen zu hören.

Hallo Herr Westerich. Sie arbeiten als Leiter des Teams Beratung, Verkauf & Marketing bei Heider Druck, einer Umweltdruckerei in Bergisch Gladbach. Was macht Ihren Betrieb zu einer besonders umweltfreundlichen Druckerei? Welche konkreten Maßnahmen haben Sie in der Vergangenheit umgesetzt?

Hallo Herr Hanecke, 2007 wurde die erste Maßnahme mit der
Umstellung auf ökologische Druckfarben unternommen, es folgten:
  • 2008: Einführung der Zertifizierungssysteme PEFC & FSC
  • 2009: Inbetriebnahme der weltweit ersten Bogenoffsetmaschine mit dem Zertifikat „Emissionen geprüft“
  • 2009: Bogenoffsetdruck, ohne Alkoholzusatz im Feuchtmittel KBA Rapida
  • 2013: Einführung CO2 -kompensiertes Drucken
  • 2015/2016: Bogenoffsetdruck,  CO2 reduzierte Druckmaschine Heidelberg Speedmaster SX 74
  • 2016: Umstellung auf Business Ökostrom aus erneuerbaren Energien
  • 2016: Sanierung des Altbaus sowie Reduzierung des Brennstoffverbrauchs bzw. CO2-Ausstoßes auf ca. 1/3

Sie sind nach PEFC & FSC zertifiziert & gehören der Initiative Pro Recyclingpapier an. Wie groß ist der Anteil dieser Papiere an Ihrem Gesamtverbrauch? Können Sie das für meine Leser aufschlüsseln? Beraten Sie Ihre Kunden explizit im Bereich Recyclingpapiere?

Der Anteil an zertifizierten- & Recyclingpapieren steigt stetig & liegt im Moment bei ca. 50-60% . Dieser relativ hohe Anteil wird bei uns durch den Zeitungsdruck, bei dem wir überwiegend Recyclingpapiere einsetzen, unterstützt.
Der Anteil an Recyclingpapieren liegt bei ca. 50 – 60%. Im Zeitungsdruck werden überwiegend Recyclingpapiere eingesetzt.

Ein besonderes Augenmerk legen wir seit einiger Zeit auf das Graspapier, dass wir mit dem Entwickler Creapaper seit Beginn vor 5 Jahren begleiten. Hier lag uns besonders am Herzen, eine geeignete ökologische Druckfarbe zu finden & das Druckbild auf diesem besonderen Papier zu optimieren. Dies ist uns hervorragend gelungen! Uns ist es, gerade bei der Nachfrage zu einer umweltgerechteren Produktion von Printmedien, ein besonderes Anliegen unsere Kunden im Bereich Natur- & Recyclingpapiere umfassend zu beraten.

Sie haben einen CO2-Rechner zur Ermittlung entsprechender Emissionen für einzelne Druckjobs implementiert. Ihre Kunden haben damit die Möglichkeit, Emissionen, die bei der Herstellung ihrer Druckprodukte entstehen, über den Ankauf entsprechender CO2-Zertifikate zu kompensieren. Wie wird dieses Angebot angenommen? Wie groß ist der Anteil an CO2-kompensierten Jobs am Gesamtvolumen & wie viel Tonnen CO2 wurden bereits über Sie ausgeglichen?

Der Anteil an Druckjobs, mit entsprechend kompensierten Emissionen, hält sich noch in Grenzen. Bei großen Industrieunternehmen & Kunden aus dem Biobereich ist dies eine Grundsatzfrage. Seit Einsatz des CO2 – Rechners konnten wir rund 190 Tonnen CO2 ausgleichen. Tendenz weiter steigend!

Gelder, die durch CO2-Zertifikate eingenommen werden, fließen in Klimaschutzprojekte. Welche Projekte genau können Ihre Kunden über den Ankauf entsprechender Zertifikate unterstützen?

Unsere Kunden können aus vier Projekten auswählen:
  1. Wasseraufbereitung in Kenia
  2. Windkraft in der Türkei
  3. Effiziente Kocher in Ghana
  4. Aufforstung in Costa Rica

Welche Kosten fallen für entsprechende CO2-Zertifikate an? Können Sie uns vielleicht ein Beispiel nennen?

Am Beispiel eines Kunden aus Düsseldorf kann ich Ihnen die Kosten einer CO2 – neutralen Produktion aufzeigen.

Die Produktion einer CO2-neutralen, klebegebundenen Broschüre im Format 15,5 x 29 cm mit 4 Seiten Umschlag auf 250g/m² Bilderdruckpapier (FSC) & 240 Seiten Inhalt Bilderdruckpapier (FSC) bei einer Auflage von 1.000 Exemplaren verursacht für den Kunden Mehrkosten von 18,18 € für eine CO2–neutrale Produktion. Der Lieferort ist ca. 40 KM entfernt.

Die Kosten sind also marginal im Vergleich zu den Herstellungskosten. Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen wir auch die „Mehrkosten für eine klimaneutrale Produktion, da uns das Thema sehr am Herzen liegt.

Die Mehrkosten für eine klimanneutrale Druckproduktion sind marginal im Verhältnis zu den Herstellungskosten.

 

Die Druckerei Heider ist nicht nach einem Umweltmanagementsystem, wie z.B. EMAS, zertifiziert. Managen Sie umwelttechnische Prozesse dennoch systematisch? Haben Sie sich bewusst gegen eine Zertifizierung entschieden & falls ja, warum?

Wir sind nicht EMAS zertifiziert, setzten aber deren Richtlinien weitestgehend im Hause um. Ich bin ehrlich, auch die Kosten für eine weitere Zertifizierung halten uns derzeit davon ab. Wir stehen in einem immer stärker werdenden Wettbewerb & möchten unseren Kunden wettbewerbsfähige Preise für eine nachhaltige Produktion bieten. Viele schauen immer noch zuerst auf den Preis & denken erst im zweiten Schritt über die Umwelt nach. Ausnahmen sind unsere Kunden aus dem „Biomarkt“. Diese sind stark an Beratung & Umsetzung ökologischer Richtlinien interessiert. Das freut uns natürlich sehr!
heider druck qp
Die Qualitätspyramide der Heider Druck GmbH

Ihr Slogan lautet “natürlich nachhaltig“. Der Nachhaltigkeitsbegriff beinhaltet neben ökologischen Aspekten auch soziale & ökonomische Überlegungen. Wie sieht es in diesen Bereichen bei Ihnen aus?

Auch wir müssen natürlich ökonomische & soziale Ziele im Blickfeld haben. Umweltgerecht produzieren allein reicht nicht um dauerhaft am Markt zu bestehen. Als Unternehmen müssen wir einen gewissen Umsatz generieren um innovativ zu bleiben & Arbeitsplätze dauerhaft sichern zu können. Das ist beim heutigen Wettbewerb nicht einfach.

Wir setzen hier auf unseren hervorragenden Service der bei der individuellen Beratung beginnt & beim Anruf nach der Auslieferung zunächst endet. Unser hochqualifiziertes Team ist hier unverzichtbar. Durch Maßnahmen wie Einsatz von Biodruckfarben & Isopropanolfreier Feuchtmittelzusätze tragen wir zum Wohlbefinden unserer Mitarbeiter bei. Ich komme selber aus der Technik & weiß, wie es noch in den 80er & 90er Jahren aussah. Im Drucksaal roch es nach Chemie & es gab keine Absaugungsanlagen. Heute herrscht bei uns ein anders Klima. Kunden die uns besuchen sind immer wieder erstaunt wie „sauber“ die Luft in unseren Hallen ist.

Der kontinuierliche Verbesserungsprozess ist ein Kernelement bei der Verbesserung von Umweltleistungen in Unternehmen. Welche Maßnahmen haben Sie für die Zukunft geplant?

Natürlich bleiben wir nicht stehen & entwickeln uns stetig weiter. Als nächste Schritte sind mittelfristig eine Ausrichtung an Cradle to Cradle. Hier geht es darum, dass alle Substanzen, wie in der Natur, erhalten bleiben & beim Recycling in den Kreislauf zurückgeführt werden. Alle zusammengeführten Stoffe wie Papier, Druckfarbe & Zusätze können wieder in den biologischen Kreislauf zurückfließen. Das ist keine Maßnahme die man mal „soeben“ umsetzt. Hier müssen wir alle Parameter prüfen. Nächste Woche erhalten wir ein erstes Seminar unseres Druckfarbenherstellers. Auch die Fortführung der energetischen Gebäudesanierung haben wir im Blick.
Dieses Interview führte Marko Hanecke im Januar 2018.

Heider Druck im Kurzporträt

Heider Druck GmbH – natürlich nachhaltig.
Das Haus Heider steht in vierter Generation als innovatives & inhabergeführtes Unternehmen für eine umweltgerechte Produktion von vielfältigen Printmedien. Dazu zählen zum Beispiel Umweltberichte, Jahresberichte, Broschüren, Bücher, Verbandszeitungen, Tageszeitungen, Flyer & vieles mehr.

Hier findest du die Heider Druck GmbH im Internet

 

 

 

 

 


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