Unter welchen Umständen druckt es sich wo besser? Onlinedruckerei oder Hausdruckerei?

Onlinedruckerei oder Hausdruckerei? Eine häufig gestellte Frage.

Viele Agenturen, werbetreibende Unternehmen & auch Einzelkämpfer aus den kreativen Bereichen wickeln Drucksachen mittlerweile (und manchmal sogar ausschließlich) bei einer Onlinedruckerei ab. Da der Preis oft der ausschlaggebende Faktor bei der Vergabe von Druckjobs ist, ziehen viele lokale Druckereien den Kürzeren.
Ich persönlich bin der Meinung, dass der Preis nur eines von vielen Kriterien sein sollte, wenn du Druckjobs zu vergeben hast. Im folgenden Artikel möchte ich daher die Unterschiede zwischen Onlinedruckereien & Hausdruckereien herausstellen. Ich behaupte nicht, dass Onlinedruckereien besser sind als Hausdruckereien oder umgekehrt. Vielmehr geht es in diesem Artikel darum, die Besonderheiten sowie jeweiligen Stärken & Schwächen darzustellen, damit du von Fall zu Fall entscheiden kannst, welcher Druckereityp am besten für dein Druckvorhaben geeignet ist.

Im folgenden Artikel meine ich mit Onlinedruckereien, Betriebe, die überwiegend in Sammeldruckformen drucken & ihre Produkte primär über das Internet vertreiben. Diese Abgrenzung ist unsauber, da es durchaus Onlinedruckereien gibt, die zusätzlich andere Vertriebskanäle bedienen & auch komplexere Individualproduktionen leisten. Mit diesem Artikel werfe ich die Onlinedruckereien, die tatsächlich selbst drucken, zusammen in einen Topf mit Onlinedruckereien, welche die Druckproduktion nicht selbst leisten. Bei den Hausdruckereien differenziere ich nicht zwischen der kleinen Stadtdruckerei mit wenigen Angestellten & großen, teilweise stark spezialisierten Druckereien mit einem großen Maschinenpark & vielen Angestellten. Bei einer genaueren Betrachtung macht diese Differenzierung aber Sinn. Ich werde die Unterschiede in einem späteren Artikel beleuchten.

Einige Aspekte in diesem Beitrag beruhen auf meinen Erfahrungen, die ich in den letzten 15 Jahren als Print Produktioner sammeln durfte. Sie sind damit subjektiv eingefärbt. Letztlich auch, weil harte Fakten zu einigen Aspekten schlicht (noch) nicht existieren. Solltest du andere Erfahrungen gemacht haben, würde ich mich über einen Kommentar am Ende dieses Artikels sehr freuen.

So, jetzt geht es aber los mit diesem Ratgeber. Nach dem Durchlesen dieses Artikels sollst du besser als zuvor in der Lage sein, einen Druckereityp auszuwählen, welcher sich optimal mit deinen individuellen Druckjobanforderungen deckt.

Produktauswahl bei der Onlinedruckerei & der Hausdruckerei

Viele Onlinedruckereien offerieren mittlerweile eine riesige Anzahl unterschiedlicher Druckprodukte. Tatsächlich ist es aber so, dass diese nur eine begrenzte Auswahl aller möglichen Druckprodukte, Drucksubstrate, Veredelungen & Weiterverarbeitungstechniken anbieten. Das ist auch logisch, denn alle denkbaren Produkte lassen sich schlicht online aber auch organisatorisch (noch) nicht abbilden. Auch arbeiten die Onlinedruckereien nach dem Prinzip der Standardisierung & produzieren in Sammeldruckformen. Dieses Vorgehen schließt Druckprodukte aus, die nicht in dieses Raster passen. Aus meiner eigenen Erfahrung als Print Produktioner weiß ich, dass komplexere Individualaufträge, sprich Produkte, die stärker vom Standard abweichen, von den Onlinedruckereien oft abgelehnt werden.

Bei Standarddrucksachen bietet die Onlinedruckerei jedoch eine gute Übersicht & Inspirationsquelle. Dies ermöglicht insbesondere weniger versierten Auftraggebern einen leichten Einstieg in die Welt der Druckproduktion.

Ein Nachteil der Standardisierungsbestrebungen der Onlinedruckereien ist es, dass in vielen Fällen nur bestimmte Auflagen bestellt werden können. Die Gefahr, dass hier mehr bestellt werden muss, als benötigt wird, ist ganz klar gegeben. Das verursacht unnötige Mehrkosten & erhöht den ökologischen Fußabdruck der Druckproduktion.

Wenn es um komplexe Druckjobs geht, ist die lokal agierende Druckerei klar im Vorteil. Nur diese ist in der Lage entsprechende Druckprodukte, ggf. im Zusammenspiel mit Kooperationsbetrieben, zu realisieren. Auch ist bei Individualprodukten oft der Qualitätsanspruch an Prozesse & Produkte höher, was Termine vor Ort, bspw. für eine Druckabnahme, nötig macht.

Eine gut aufgestellte offline Druckerei kann viele technisch machbare Kombinationen von Drucksubstraten, Druckveredelungen & Weiterverarbeitungen ermöglichen.

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass die Onlinedrucker immer mehr Produkte anbieten, die eine klassische Offsetdruckerei nicht produzieren kann. Eine große Auswahl an Messe- & Werbeartikeln ist mittlerweile bei vielen Onlinedruckern ebenfalls zu finden. Für Printbuyer ist das natürlich bequem, denn hier muss trotz vieler unterschiedlicher Produkte nur bei einem Anbieter bestellt werden. Ich sehe hier jedoch auch die Gefahr der Zentralisierung. Sprich, Printbuyer bestellen nur noch bei einer oder ein paar wenigen Onlinedruckereien & verlieren so möglicherweise den Blick für andere Druckprodukte, die in den bevorzugten Shops eventuell nicht angeboten werden.

Onlinedruckereien verkaufen nur einen kleinen Teil aller möglichen & denkbaren Produkte.

Kundenberatung & Erreichbarkeit

Egal ob Onlinedruckerei oder Hausdruckerei, es wird meist nur im Rahmen der eigenen technischen Möglichkeiten beraten. Aber es gibt sie auch – die engagierten und / oder spezialisierten Hausdruckereien, die über ein Netzwerk an Kooperationsbetrieben verfügen & auch zu Druckprodukten beraten, die intern nicht vollumfänglich gelöst werden können. Hier punktet ganz klar die Hausdruckerei gegenüber der Onlinedruckerei, bei der dieses Engagement meiner Erfahrung nach nicht zu erwarten ist.
Eine gut aufgestellte Hausdruckerei muss gewillt sein, Druckprodukte zu projektieren, die sie selbst nicht oder nur teilweise im eigenen Betrieb herstellen kann.

Fast jede Onlinedruckerei bietet Papier- & Produktmusterbücher an. Das ist bequem & kann durchaus inspirierend sein, auch wenn nur ein eingeschränktes Portfolio an Papieren & Produkten dargestellt werden kann. Hier denke ich, sollten die lokal agierenden Druckereien nachsteuern. Oft bieten diese keine Papier- oder Produktmuster an, obwohl diese in meinen Augen die Kundenberatung entlasten als auch bereichern kann. Ein Besuch vor Ort in der Druckerei ist also notwendig. Dafür können dort aber auch weitaus mehr Papiere & Produkte gesichtet werden, als es mit Musterbüchern möglich ist.

Bei deiner Hausdruckerei bekommst du möglicherweise deinen eigenen Ansprechpartner oder sprichst sogar direkt mit dem Geschäftsführer. Ich selbst lege großen Wert auf gute & persönliche Kontakte. Das macht viele Aspekte einer (anspruchsvollen) Druckproduktion deutlich angenehmer & einfacher. Freundliche, engagierte sowie kompetente Ansprechpartner sind essenziell & leider rar gesäht.

Der Onlinedrucker beschäftigt meist ein Heer an KundenberaterInnen. In Spitzenzeiten werden vermutlich sogar einfach welche über Drittfirmen hinzugebucht. Freundlich sind sie alle, finde ich. Die Fachkompetenz ist oft ausbaufähig & einen persönlichen Kundenberater bekommst du in der Regel nicht, bzw. erst ab einem bestimmten Jahresumsatz.

Bei einigen Onlinedruckereien bekommst du ab einer bestimmten Umsatzgröße einen persönlichen Ansprechpartner & kostenlose Sonderleistungen.

Viele Onlinedrucker sind neben den klassischen Kommunikationswegen auch über die sozialen Medien, Live-Chats & in naher Zukunft auch über bspw. Whatsapp erreichbar. Einige bieten auch eine gut funktionierende Callback-Funktion an. Die Shops sind zunehmend auch für Mobiltelefone optimiert, was sogar eine mobile Drucksachenbestellung möglich macht. In diesen genannten Segmenten haben viele Hausdruckereien, egal welcher Größe, noch enormen Nachholbedarf.

Angebotsanfragen bei der Hausdruckerei & Onlinedruckerei

Klar, die Preise aller Drucksachen, welche von den Onlinedruckereien angeboten werden, sind direkt ersichtlich. Eine Angebotsanfrage entfällt hier also, sofern das gewünschte Produkt in der entsprechenden Auflage angeboten wird. Weniger versierten Druckereikunden wird es zudem leichtgemacht, da diese keine technischen Spezifikationen für eine Anfrage definieren müssen. Auch völlig fachfremde sind vermutlich in der Lage einen Druckauftrag ohne weitere Beratung oder Kommunikation online zu platzieren. Hier ist die Onlinedruckerei also klar im Vorteil.
Onlinedrucker erleichtern fachfremden Druckereikunden den Zugang zu Standarddrucksachen.

Bei Individualprodukten muss immer eine Angebotsanfrage formuliert werden. Oft werden diese von den Onlinedruckereien abgelehnt. Das passt halt (noch) nicht so richtig ins Geschäftsmodell. Aber auch die lokalen Druckereien sind bei komplexen Druckprodukten mitunter überfordert. Insbesondere bei technisch anspruchsvollen Druckprojekten musst du oftmals mehrere Druckereien kontaktieren, um jemanden zu finden, der sich deines Projekts annimmt. Von der Anfrage bis zum Angebot vergehen mitunter Wochen. In ganz kniffeligen Fällen ist ein Print Produktioner oder Printbuyer immer sehr hilfreich.

Preise

Bei kleineren bis mittleren Auflagen sind die Onlinedruckereien meist klar im Vorteil – das Sammeldruckverfahren macht es möglich. In dem Artikel Warum sind Onlinedruckereien oft so günstig erläutere ich umfangreich, mit welchen Maßnahmen die Onlinedruckereien diese Preise realisieren können. Oft ist der lokal agierende Drucker in bestimmten Produktbereichen & Auflagensegmenten um ein Vielfaches teurer. Bei größeren Druckauflagen lohnt sich meist ein Preisvergleich. Aber der Preis sollte nicht in jedem Fall das einzige ausschlaggebende Argument für eine Vergabe von Druckjobs sein. Viele weitere Faktoren, die sich mitunter nicht monetär beurteilen lassen, sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Das zeigt hoffentlich auch ganz klar dieser Artikel.

Für mich ist es immer etwas seltsam, wenn jemand seine Druckerei wechselt, nur weil eine andere etwas günstiger ist. Hier werden etablierte Prozesse, aufgebaute Geschäftsbeziehungen & eine erwartbare Qualität nicht wertgeschätzt. Aber genau diese Faktoren machen eine gute & vertrauensvolle Zusammenarbeit aus. Und die ist oft mehr wert als eine potenzielle Kosteneinsparung der Druckkosten.

Damit Druckereien für bestimmte Produkte überhaupt noch marktgerechte Preise für Drucksachen erzielen könne, bestellen diese zunehmend Druckjobs bei Onlinedruckern, um die Drucksachen dann mit einem Aufschlag an Ihre Kunden weiterzuverkaufen. Nicht wenige Onlinedruckereien generieren relevanten Umsatz von lokal agierenden Druckereien.

 

Druckdaten & Datenübertragung

Viele Kreative haben Schwierigkeiten damit, vollumfänglich korrekte Druckdaten anzufertigen. Während bei den Hausdruckereien die Druckvorstufe korrigierbare Fehler selbständig beheben kann, müssen bei den Onlinedruckereien die Spezifikationen exakt eingehalten werden. Schließlich werden die Druckdaten nach dem Upload per Online-Preflight geprüft & abgelehnt, sofern diese nicht den Spezifikationen entsprechen. Weiterführende Lösungsvorschläge werden meist nicht geliefert. Der Griff zum Telefon ist dann doch wieder notwendig. Allerdings bieten viele Onlinedrucker einen umfangreicheren Datencheck gegen Aufpreis an. Ein Service, der bei den Hausdruckereien im Angebotspreis inkludiert ist.
Beispiel: Viele Onlinedruckereien verlangen nach einer Beschnittzugabe von 1 mm. Entspricht deine angelegte Beschnittzugabe nicht diesem Wert, wird die Datei von Onlinedruckereien in der Regel abgelehnt & du musst die Datei nochmals entsprechend bearbeiten & hochladen. Deine Hausdruckerei wird abweichende Spezifikationen dieser Art akzeptieren.

Zunehmend bieten die Onliner anpassbare Designtemplates an, die sich direkt im Browser auf die eignen Wünsche hin anpassen lassen. Die Druckdatei wird dann direkt aus dem Template heraus mit den korrekten Spezifikationen erstellt. Weniger versierte Druckereikunden mit eingeschränkten Ansprüchen an das Design nehmen diese Möglichkeit gerne in Anspruch. Schließlich entfallen hierbei auch die Kosten für die Beauftragung eines Grafikers.

Die Onlinedrucker stellen aber auch herunterladbare Templates mit technischen Spezifikationen für nahezu alle angebotenen Produkte zur Verfügung. Dies ist bei den Hausdruckereien noch längst kein Standard.

Die Datenübertragung geschieht bei der Onlinedruckerei bevorzugt per Upload. CDs werden nicht immer akzeptiert. Bei größeren Datenmengen & einer dürftigen Internetverbindung ist der Upload oft keine Option. Eine CD muss für die Datenübertragung verschickt werden (sofern das akzeptiert wird), was die Produktionszeit wiederum verlängert. Hinzu kommt, dass CD-Laufwerke längst kein Standard mehr sind & nicht jeder mehr die Möglichkeit hat, seine Druckdaten auf CD zu brennen.

Hier ist die örtliche Druckerei im Vorteil, zu der du kurz hinfahren kannst, um deine Daten abzuliefern. In diesem Fall bist du auch nicht so stark ans Medium gebunden. Ob CD, USB-Stick oder Festplatte. Hier werden in der Regel alle physischen Datenträger akzeptiert. Du kannst deine Daten auch über Cloud-Storage-Dienste, wie Dropbox, an die Hausdruckerei versenden. Eine Möglichkeit der Datenübertragung, die nicht von allen Onlinedruckern akzeptiert wird.

Auftragsabwicklung

Die gesamte Auftragsabwicklung wird bei der Onlinedruckerei in einem Prozess geleistet. Sprich, von der Auswahl der zu produzierenden Produkte, über die Kalkulation, Datenupload, Festlegung der Rechnungs- & Lieferadressen & Bezahlung kann hier alles in einem Rutsch im Browser erledigt werden. Der zeitliche Aufwand fällt in meinen Augen geringer aus, als dies bei einer Hausdruckerei der Fall ist. Zusätzlich kannst du bei einer Onlinedruckerei deine Bestellhistorie einsehen. Dies vereinfacht & beschleunigt den Prozess im Fall einer Nachbestellung. Aber auch hier gilt: Bei Druckprodukten, die vom Standard abweichen, ist immer ein größerer Kommunikations- & Abstimmungsaufwand notwendig, der sich nicht oder nur unzureichend online abbilden lässt.
Einige Onlinedruckereien speichern deine Druckdaten über mehrere Jahre. Eine Nachbestellung wird so mit wenigen Klicks möglich.

Personalisierung, Konfektionierung & Lettershop

Obwohl viele Onlinedrucker auch den Digitaldruck anbieten, sind personalisierte Drucksachen hier noch relativ selten anzutreffen. Müssen Produkte bspw. in eine Verpackung konfektioniert werden, ist dies eine Tätigkeit, die meines Wissens nach von keiner Onlinedruckerei angeboten wird. Auch Lettershoparbeiten, wie Briefe kuvertieren & posteinliefern, wird in der Regel nicht angeboten.
Hier kann eine gut aufgestellte Hausdruckerei ihre Karten ausspielen. Diese wird nämlich, sofern sie nicht alle Ressourcen selbst unterhält, mit Partnerbetrieben zusammenarbeiten & so auch umfangreichere Leistungen nach dem eigentlichen Druck aus einer Hand anbieten. Für dich als Auftraggeber minimiert sich durch dieses Vorgehen dein Kommunikationsaufwand massiv – schließlich hast du nur einen Ansprechpartner.
Ganz ohne eigene Maschinen kommt übrigens der Print Produktioner aus, bei dem du unabhängig vom Komplexitätsgrad, ebenfalls alles aus einer Hand bekommst.

Druckqualität & Qualitätssicherung

Unter Druckqualität verstehe ich in diesem Artikel die Farbgebung & die Ausführung der Weiterverarbeitung. Ich bestelle schon seit einiger gefühlten Ewigkeit Drucksachen online & bei lokalen Druckereien. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich hier keine nennenswerten Unterschiede feststellen kann. In den meisten Fällen läuft alles ohne Beanstandung. Hier & dort gibt es aber immer etwas an der Qualität zu bemängeln. Unabhängig davon, wo ich die Drucksachen bestelle.
Bei der Reproduktion der Farbgebung von Job zu Job habe ich den Eindruck, dass dies den Hausdruckereien besser gelingt. Aber auch hier gibt es Ausreißer. Viele Hausdruckereien kaufen Drucksachen bei Onlinedruckereien ein & verkaufen diese mit einem Aufschlag an Ihre Kunden. Spätestens wenn dann Produkte vom selben Kunden intern produziert werden, kann es verstärkt zu Farbabweichungen zwischen diesen Drucksachen kommen. Das ist übrigens ein Problem, welches auch auftauchen kann, wenn du von Hausdruckerei zu Hausdruckerei wechselst.
Einen ganz großen Vorteil können aber die lokalen Druckereien ausspielen. Hier hast du nämlich die Möglichkeit, die Farbe zusammen mit dem Drucker an der Druckmaschine abzustimmen. Neben der Druckabnahme kannst du zusätzlich die Weiterverarbeitung überwachen, sofern du dir die Zeit nehmen möchtest bei jedem Produktionsschritt vor Ort in der Druckerei zu sein. Bei anspruchsvollen Druckprojekten ist dies in meinen Augen eines der ausschlaggebenden Argumente für die Produktion bei einer lokal ansässigen Druckerei. Ich konnte in der Vergangenheit oft potenzielle Reklamationen durch eine Qualitätssicherung vor Ort in der Druckerei abwenden.
Farb- & Standproofs werden sowohl von den Onlinedruckern als auch von den Hausdruckereien angeboten. Bei den Onlinern kann es sein, dass das Proof länger braucht, um bei dir einzutreffen. Dies ist bei der Terminplanung unbedingt mit einzurechnen. Die lokale Druckerei kann hier schnell einen Kurier schicken & die Produktionszeit wird möglicherweise überhaupt nicht beeinflusst.

Reklamationsmanagement

Zu Reklamationen kann es immer kommen. Und wie bereits mitgeteilt, gibt es bezüglich der Reklamationsquote keine nennenswerten Unterschiede zwischen Hausdruckereien & Onlinedruckereien. So verhält es sich zumindest in meiner Wahrnehmung.
Einen gewaltigen Nachteil gibt es hier allerdings bei den Onlinedruckereien. Hier dauert der Nachdruck in allen mir bekannten Fällen deutlich länger als bei der Hausdruckerei. Die Onlinedruckerei erwartet zunächst die Rücksendung der Fehlerhaften Drucke. Erst nach erfolgter Prüfung beginnt dann die Nachproduktion. Der Prozess kann so schon einmal 1-2 Wochen in Anspruch nehmen. Diese zusätzliche Zeit ist bei vielen Projekten nicht vertretbar.
Die Lokale Druckerei hat immer Druckmuster aus Druckjobs kürzlich vergangener Produktionen vorrätig. Die Reklamation kann direkt bearbeitet werden. Auch sind die Hausdruckereien nicht so fest in standardisierten Prozessabläufen gefangen, so dass eine Neuproduktion meist deutlich schneller geleistet werden kann.

Produktionsstopp bei der Hausdruckerei & Onlinedruckerei

Wie oft kam es in meinem Beruf als Print Produktioner schon vor, dass Druckjobs abgebrochen werden mussten, weil nach der Druckfreigabe doch noch inhaltliche Fehler gefunden wurden. Bei der Hausdruckerei kann ein Druckjob jederzeit abgebrochen werden. Das ist nicht schön aber reduziert in vielen Fällen den finanziellen Schaden. Bei Onlinedruckereien ist dies in der Regel nicht möglich. Der Job läuft nach der Druckfreigabe automatisiert durch alle Prozesse & verdoppelt im Falle einer Nachproduktion die Druckkosten.

Zahlungsmodalitäten

Bei den meisten Onlinedruckereien müssen die Druckjobs im Bestellprozess bezahlt werden. Oder per Vorkasse, was die gesamte Produktionszeit verlängert, da der Job erst nach Zahlungseingang & interner Verbuchung gestartet wird. Hier sehe ich die Hausdruckerei klar im Vorteil. Stammkunden zahlen in der Regel erst nach Auslieferung. Oft mit einem Zahlungsziel von zwei bis vier Wochen. Auch wird häufig ein Skonto in Höhe von 2% eingeräumt, sofern die Rechnung innerhalb einer definierten Frist beglichen wird. Der Rechnungsbetrag verringert sich also durch eine schnelle Begleichung der Rechnung. Zusätzlich schont ein längerfristiges Zahlungsziel die Liquidität, was insbesondere für Agenturen relevant sein dürfte, welche die Abwicklung & Zahlung der Druckjobs ihrer Kunden abwickeln.
Aber auch bei den Zahlungsmodalitäten holen die Onlinedrucker auf. Viele bieten insbesondere größeren Kunden eine Zahlung auf Rechnung nach Auslieferung des Druckjobs an.

Zuverlässigkeit & Lieferzeiten

Die großen Onlinedruckereien bieten bei vielen Produkten & Auflagen extrem kurze Lieferzeiten an. Nicht unüblich ist es, schon am nächsten Tag – gegen einen Aufpreis – beliefert zu werden. Diese sehr kurzen Lieferzeiten können nicht von allen Hausdruckereien angeboten werden. Insbesondere wenn hier ohne eine UV-Trocknung gedruckt wird, sind aufgrund längerer Trocknungszeiten so kurze Lieferzeiten aus rein technischen Gründen oft nicht realisierbar.
Onlinedruckereien haben bei selten angefragten Drucksubstraten oft längere Lieferzeiten als die Offliner.
Betrachten wir aber die Standardlaufzeiten der Onlinedruckereien, so stellen wir möglicherweise fest, dass diese sehr ähnlich zu den Lieferzeiten der ortsansässigen Druckereien sein können.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass die Onlinedruckereien ihre Lieferzeiten in der Regel einhalten. Da hatte ich schon deutlich größere Probleme bei kleineren, ortsansässigen Druckereien, die Termine nicht einhalten konnten, weil bspw. Mitarbeiter oder Maschinen ausgefallen sind. Was die Termintreue anbelangt unterscheiden sich die Druckereitypen in meinen Augen also nicht wesentlich.

Lieferqualität

Viele Onlinedruckereien liefern ausschließlich mit den bekannten Lieferdiensten wie z.B. DHL oder UPS aus. Bei höheren Auflagen meist mit mehreren Paketen. Über die Zustellqualität dieser Dienstleister lässt sich sicherlich streiten aber eine Punktgenaue Zustellung ist nicht garantiert (auch wenn die Zusteller das garantieren). Mir selbst ist es schon passiert, dass Pakete nicht rechtzeitig eintrafen, da es Probleme mit der Zuverlässigkeit gab. Ärgerlich ist es auch, wenn die Lieferung (aus welchen Gründen auch immer) nicht zugestellt wird und vom nächsten Abholort, wie z.B. einem Kiosk, abgeholt werden muss. Insbesondere bei hohen Auflagen und einem entsprechenden Gewicht macht das überhaupt keinen Spaß mehr. Zunehmend beobachte ich jedoch, dass die Onlinedrucker größere Auflagen ebenfalls auf Palette und per Spedition ausliefern. Diese Zustellart wiederum stellt besondere Anforderungen an die örtlichen Begebenheiten, wie bspw. eine Hebebühne. Anforderungen, die nicht jeder erfüllen kann. Bei Lieferung per Spedition ist auch mit längeren Lieferzeiten zu rechnen.

Die Verpackungsqualität ist meistens recht gut und Schäden an den Drucksachen treten relativ selten auf. Einige Onlinedruckereien bieten mittlerweile auch die Zustellung verschiedener Auflagen (Auflagensplitting) innerhalb eines Druckjobs an. Bei nahezu allen Onlinedruckereien bekommst du automatisch eine Nachricht mit einer Nummer zur Nachverfolgung, sobald deine Sendung eingeliefert wird. Das finde ich persönlich sehr komfortabel und leider ist dies bei den lokalen Druckereien bisher noch die Ausnahme.

Empfindliche Drucksachen verlangen nach einem schonenden Transport.

Bei den Hausdruckereien lässt sich jedoch die Zustellung viel flexibler handhaben. Ob Versand via Spedition, mit dem Ausfahrer der Druckerei, per Kurier innerhalb weniger Stunden oder mit anderen Lieferdiensten. Der Druckereikunde kann die Art der Zustellung exakt so wählen, wie es ihm angemessen erscheint.

Umweltfreundlich drucken

Auch im Bereich der Ökologie fällt ein Vergleich zwischen Onlinedruckereien & Hausdruckereien nicht leicht. Viele Onlinedrucker haben Prozesse soweit optimiert, dass hier deutlich weniger Papierabfall durch Verschnitt & Anlaufbogen anfällt, als dies in der Regel in Hausdruckereien der Fall ist. Auch die Produktion in Sammeldruckformen kann dazu beitragen, dass der ökologische Fußabdruck einer Drucksachenproduktion geringer ausfällt. Schließlich teilen sich hier ein Großteil der anfallenden Emissionen im Produktionsbereich durch die Anzahl der Jobs, die auf einem Bogen versammelt sind. Allerdings produzieren fast alle Onlinedruckereien im Offsetdruck mit einer UV-Trocknung, die beim Papierrecycling zu Problemen führen kann.

Durch festgelegte Auflagenstaffelungen wird auch mitunter deutlich mehr Druckauflage bestellt, als möglicherweise benötigt wird. Für die Papiertonne zu produzieren ist nicht wirklich umweltfreundlich.

Betriebe, die sich explizit dem Umweltschutz verschrieben haben, sind häufiger bei den Hausdruckereien zu finden. Wenn auch auf zahlenmäßig niedrigem Niveau. In den meisten Fällen machen die Emissionen, die durch den Transport eines Druckjobs anfallen, nur einen geringen Teil der Gesamtemissionen aus. Die Nähe zum Produktionsstandort ist daher in meinen Augen zweitrangig. Es kommt auch immer darauf an, wie geliefert wird. Der Fahrradkurier verursacht naturgemäß deutlich weniger Emissionen, als der LKW, der eine Drucksache durch die Gegend fährt.

Ich möchte hiermit nicht behaupten, dass Onlinedruckereien umweltschonender agieren als die Druckerei vor Ort. Hier muss von Fall zu Fall & individuell entschieden werden. In meinem Artikel Kriterien zur Auswahl umweltfreundlicher Druckereien findest du viele Informationen dazu, wie du aufrichtig dem Umweltschutz verschriebene Druckereien identifizierst.

 

Zusammenfassung

Das war jetzt ziemlich viel Input. Hier findest du noch einmal alles in kompakter Form.
  • Onlinedrucker bieten nur einen Bruchteil aller möglichen Druckprodukte an. Eine gut aufgestellte Hausdruckerei ist in der Lage, auch komplexe & außergewöhnliche Druckprodukte in frei definierbaren Auflagen zu produzieren. Viele Onlinedrucker bieten über Papierdrucksachen hinaus ein breites Spektrum weiterer Produkte, wie Werbe- & Messeartikel, an.
  • Bei deiner Hausdruckerei bekommst du sehr wahrscheinlich einen persönlichen Ansprechpartner. Diesen bekommst du bei den Onlinedruckereien in der Regel nicht oder erst, wenn du eine bestimmte Umsatzgröße pro Jahr erreichst.
  • Die Preise zu allen Standarddrucksachen bei den Onlinedruckern kannst du direkt auf der Seite einsehen. Bei deiner Hausdruckerei musst du zunächst die Druckspezifikationen definieren, eine Anfrage stellen & auf das Angebot warten. Individualaufträge werden hingegen von den Onlinedruckereien oft abgelehnt.
  • Die Onlinedruckerei ist bei vielen Auflagen & Produkten im Verhältnis zu den Preisen einer Hausdruckerei in vielen Fällen deutlich günstiger. Bei größeren Auflagen relativieren sich die Preise meistens & hier lohnt sich immer ein Preisvergleich.
  • In der Hausdruckerei können kleinere Datenfehler intern behoben werden, während bei den Onlinedruckern die Druckdaten immer exakt den Spezifikationen entsprechen müssen. Dafür bieten die Onliner zunehmend Design-Templates an, die du direkt im Browser auf deine Wünsche hin ändern kannst. Bei der Datenübertragung ist die Hausdruckerei deutlich im Vorteil, da diese alle physischen Datenspeicher akzeptiert.
  • Die gesamte Auftragsabwicklung wird bei den Onlinedruckereien in einem Prozess geleistet. Mit nur wenigen Klicks kannst du bequem einen kompletten Druckauftrag vergeben. Dafür fehlt bei diesem Vorgehen die persönliche Beratung durch einen Mitarbeiter der Druckerei. Einige Onlinedruckereien speichern deine Druckdaten für einige Jahre. Eine Nachbestellung ist so extrem schnell erledigt. Ein Service, der in den Hausdruckereien seltener anzutreffen ist.
  • Bei Personalisierungen, Konfektionieren & Lettershoparbeiten kann dir eine gut aufgestellte Hausdruckerei alles aus einer Hand bieten. Onlinedruckereien sind (noch) nicht auf komplexere Druckvorhaben ausgelegt, die viele weitere Arbeitsschritte nach der Drucksachenproduktion verlangen.
  • Bei einer lokalen Druckerei hast du immer die Möglichkeit Einfluss auf die Qualitätskontrolle zu nehmen. Druckabnahmen & ggf. die Überwachung der Weiterverarbeitung sind nur bei lokal ansässigen Druckereien durchführbar. Onlinedrucker bieten diese Möglichkeit nicht an.
  • Im Falle einer Reklamation reagiert die Hausdruckerei in der Regel deutlich schneller als die Onlinedruckerei. Nennenswerte Unterschiede in den Reklamationsquoten gibt es meiner Meinung nach nicht.
  • Bei der Hausdruckerei kannst du einen Druckauftrag jederzeit stoppen. Bei den Onlinern ist dies nach dem Datenupload in der Regel nicht mehr möglich. Der Druckjob läuft gnadenlos durch & verursacht im Falle einer Nachproduktion doppelte Druckkosten.
  • Bei der Onlinedruckerei musst du in den meisten Fällen deinen Druckjob vor der eigentlichen Produktion bezahlen. Die Hausdruckerei stellt die Rechnung in der Regel erst nach Auslieferung, gewährt ein (oft) großzügiges Zahlungsziel & Skonto.
  • Onlinedruckereien können bei Standarddrucksachen Lieferzeiten realisieren, die nicht von allen Hausdruckereien zu schaffen sind. Bei den Hausdruckereien lässt sich die Art der Zustellung flexibel & auf individuelle Ansprüche hin anpassen.

Fazit

Onlinedruckereien sind anders als Hausdruckereien. Nicht besser. Vielmehr solltest du individuell pro Druckjob entscheiden, welcher Druckereityp die spezifischen Anforderungen am besten erfüllt. Denn nicht jeder Druckjob ist bei einer Onlinedruckerei besser aufgehoben als bei der Hausdruckerei & umgekehrt.

Der Preis ist bei der Vergabe von Druckaufträgen nur eines von vielen Kriterien, dass zeigt dieser Artikel hoffentlich ganz deutlich. Anspruchsvolle & individuelle Drucksachen, die viel Kommunikation & ein Qualitätsmanagement verlangen, gehören in die Hausdruckerei (oder in die Hände eines Produktioners).

Bei einfachen, standardisierten Drucksachen ohne besondere Ansprüche bietet die Onlinedruckerei sicherlich ein sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis. Insbesondere für fachfremde Druckereikunden bietet die Onlinedruckerei einen einfachen Zugang zu standardisierten Drucksachen. Online-Editoren, die in den Shops der Onliner integriert sind, bieten für Laien einen großen Anreiz, ihre Drucksachen dort zu gestalten. Das spart weitere Kosten für einen Grafiker und generiert in den meisten Fällen saubere Druckdaten.

Bist du anderer Meinung? Möchtest du etwas ergänzen oder mir eine Nachricht zu diesem Artikel hinterlassen? Dann kommentiere einfach diesen Beitrag. Danke!
Ich hoffe, mit dem hier bereitgestellten Wissen wirst du künftig noch bessere Entscheidungen bei der Vergabe deiner Druckjobs treffen können.

 

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2 Kommentare

  1. Hallo, sehr schöner Artikel der es auf den Punkt bringt. Nicht zu vergessen die vielen Druckereien die Ihre Dienste anbieten und dann den Job im Internet produzieren lassen.
    Jeder regt sich heute über schlechte Luft, Dieselskandal und volle Straßen auf, doch es ist unser Handeln. Auch beim Thema Druck. Anstatt die Wirtschaftskraft in der Region zu halten lässt man alles quer durch die Welt fahren wegen ein paar Euro und die die eh genug Kohle haben kassieren dick ab.

  2. Lesenswerter Artikel, etwas „langfädig“ vielleicht.
    Leider ist der Titel doch etwas irreführend: Der Ausdruck „Hausdruckerei“ kann auch fälschlich mit Inhouse-Druckerei interpretiert werden.

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