Was macht eigentlich ein Print Produktioner?

Print Produktioner können das Agenturgeschäft im Bereich der Druckproduktion enorm erleichtern & professionalisieren. Dennoch arbeiten die wenigsten Unternehmen, Agenturen oder Freelancer mit entsprechenden Fachkräften zusammen. Oft, weil die Kosten vermeintlich zu hoch sind oder schlicht, weil Print Produktioner relativ rar sind. Ich lernte sogar Grafiker & Einkäufer in größeren Unternehmen kennen, die nicht wissen, was Print Produktioner eigentlich machen, bzw. dass es überhaupt Fachkräfte für diesen speziellen Bereich gibt.

Im folgenden Artikel erläutere ich den Wirkungsbereich von Produktionern & die Vorteile, welche sich aus einer Zusammenarbeit mit ihnen ergeben können. Hierbei beziehe ich mich auf den Bereich Print. Es gibt auch Produktioner, die zusätzlich oder ausschließlich in anderen Bereichen der Medienlandschaft tätig sind. Diese werden hier allerdings nicht berücksichtigt.

Print Produktioner sind Experten für das Haptische

Print Produktioner verfügen über eine umfassende Fachkenntnis im Bereich der Druck- & Werbemittelproduktion. Sie kennen sich mit allen Druckverfahren, Veredelungstechniken & Möglichkeiten der Weiterverarbeitung aus. Sie besitzen ein hervorragendes Organisations- & Kommunikationstalent, arbeiten exakt & koordinieren alle Informationsströme innerhalb von Printmedienprojekten.

Print Produktioner bilden dabei die Schnittstelle zwischen:

  • Agenturen (intern oder extern)
  • Freien Grafikern
  • Druckereien
  • Weiterverarbeitungs- & Veredelungsbetrieben
  • Papierhändlern & Anbietern exotischer Substrate
  • Hoch spezialisierten Fertigungs- & Dienstleistungsbetrieben
  • Programmieren & IT-Abteilungen
  • Herstellern von Werbeartikeln
  • Logistikern

In seiner Schnittstellenfunktion übernimmt ein Print Produktioner folgende Tätigkeiten:

  • Technische Entwicklung von Druck- & Werbeartikeln
  • Materialauswahl
  • Festlegung von Teilprozessen & Herstellungsverfahren
  • Ermittlung geeigneter Herstellungsbetriebe, Einholung von Angeboten & ggf. Preisverhandlungen
  • Beratung der Grafiker zur Erstellung einwandfreier Druckdaten
  • Qualitätssicherung, z.B. durch Gebrauchstests, Druckabnahmen oder Überwachung von Teilprozessen
  • Sicherung der Termineinhaltung
  • Aufbau, Steuerung & Kontrolle logistischer Prozesse
  • Kostenmanagement
  • Reklamationsmanagement
  • Projektdokumentation
  • Entwicklung von Prozessverbesserungen

Bei besonders anspruchsvollen oder exotischen Produkten, welche nur im Zusammenspiel mit hochspezialisierten Betrieben zu realisieren sind, kommen technische Disziplinen hinzu, die nur noch wenige Berührungspunkte mit der grafischen Industrie haben.

Hier ein paar Beispiele:

  • Bühnen- & Messebau
  • 3D-Druck
  • Lasercutter
  • Wasserstrahlschneiden
  • Ätzen
  • Tiefziehen
  • Fräsen
  • Konfektionierung / Aufspenden
  • Augmented Realtity (AR)

Ein Print Produktioner ist folglich nicht nur in der grafischen Industrie versiert, sondern verfügt vielmehr über ein interdisziplinäres Wissen im Bereich der Produktionstechnik. Er bildet sich ständig fort & kann die Relevanz technischer Neuerungen einschätzen.

Ein Produktioner ist immer auch ein Allrounder.

Welche Vorteile ergeben sich durch die Zusammenarbeit mit einem Print Produktioner?

Druckprojekte müssen technisch, wirtschaftlich sinnvoll & organisatorisch bewältigt werden. Produktioner sind dabei primäre sowie technisch versierte Ansprechpartner für alle Projektteilnehmer & Zuliefererbetriebe.

Werbetreibende Unternehmen, Agenturen oder Einzelkämpfer, die ein großes Druckvorhaben ohne eine entsprechende Fachkraft stemmen müssen, werden hier schnell an ihre zeitlichen sowie fachlichen Grenzen stoßen. Der Kommunikations- & Organisationsaufwand bei großen, komplexen & / oder kleinteiligen Vorhaben kann mitunter riesig sein & wird sehr oft unterschätzt. Bei Projekten, welche eine Vielzahl an Herstellungs- & Dienstleistungsbetrieben benötigen, reduziert der Print Produktioner die Anzahl der Ansprechpartner.

Produktioner können Drucksachen günstig, schnell & hochwertig beschaffen.

Durch Fachkenntnis, Organisationstalent & sein Netzwerk an Produktionsbetrieben ist der Print Produktioner in der Lage, die gewünschten Druckprodukte meist kostengünstiger & zielgerichteter zu beschaffen, als dies ohne eine Fachkraft möglich wäre. Produktioner können am Anfang eines Projektes einschätzen, ob dieses überhaupt technisch, zeitlich & / oder wirtschaftlich sinnvoll zu realisieren ist. Dies spart im Zweifel enorm viel Zeit & Kosten, da Produktideen direkt & nicht erst nach intensiver Recherche verworfen, bzw. angegangen werden können.

Während einer laufenden Medienproduktion kümmert sich der Produktioner um das Qualitätsmanagement. Er ermittelt Spezifikationen, prüft Daten auf Konformität, ist vor Ort in den Produktionsbetrieben, nimmt Teilprodukte ab & kümmert sich um logistische Prozesse. Der Produktioner ist folglich dafür verantwortlich, dass das herzustellende Produkt den Erwartungen der Auftraggeber vollumfänglich entspricht.

Was kostet ein Print Produktioner?

Ich sage immer, dass ein Print Produktioner im Zweifel nichts kostet. Betrachten wir die Kosteneinsparungspotenziale im Beschaffungsprozess, die höhere Qualitätssicherung bei gleichzeitiger Minimierung von Produktionsrisiken sowie den verringerten Recherche-, Organisations– & Kommunikationsaufwand, so stellen wir möglicherweise fest, dass die Zusammenarbeit mit einem Produktioner nicht zwangsläufig teurer sein muss als eine interne Lösung.
Ein Produktioner arbeitet nicht umsonst, kostet aber möglicherweise nichts.

Ein Print Produktioner kann sogar unter Berücksichtigung aller internen sowie externen Kosten potenziell Geld sparen, schont aber in jedem Fall die Nerven der Einkaufsabteilung & ggf. der Freelancer sowie Agenturmitarbeiter. Ich möchte sogar behaupten, dass komplexe Projekte ohne Produktioner kaum zu bewältigen sind. Hier stellt sich die Frage nach den Kosten also faktisch überhaupt nicht.

Wie sind Print Produktioner beschäftigt?

Verlage, größere Werbeagenturen sowie Unternehmen mit einer internen Kommunikations- & / oder Einkaufsabteilung beschäftigen meist festangestellte Produktioner. Diese Fachkräfte sind nicht zwingend auf den Druckbereich spezialisiert, sondern kümmern sich möglicherweise um die Beschaffung weiterer Kommunikationsmedien (Print, Online, Anzeigen, TV, Radio, usw.).

Es gibt Produktionsagenturen, welche ihre Dienstleistung meist größeren Unternehmen zur Verfügung stellen. Dies kann projektweise geschehen, es gibt aber auch Agenturen, die alle gedruckten Kommunikationsmedien für ihre Auftrgeber einkaufen. Hier gibt es Anbieter, die ausschließlich auf Print spezialisiert sind aber auch jene, für die Print nur ein Teilbereich aller angebotenen Dienstleistungen ist.

Einige Produktioner nutzen ihre Expertise auch um eigene Produkte, wie beispielsweise Pop-Up-Bücher oder Werbeartikel zu entwickeln, um diese dann wiederum an Geschäfts- oder Endkunden zu vertreiben.

Schlussendlich gibt es auch Einzelkämpfer, die als Freelancer arbeiten & für Agenturen, Verlage wie auch für werbetreibende Unternehmen meist projektweise tätig werden.

Wie rechnet ein Print Produktioner ab?

Es gibt Produktioner, welche Provisionen von Herstellungsbetrieben, wie z.B. Druckereien, beziehen. Der Auftraggeber zahlt also nicht direkt an den Produktioner, sondern an den Hersteller. Im Rechnungspreis ist die Provision für den Produktioner eingerechnet. Dieser bezieht seine Provision dann nach Projektabschluss von beispielsweise der Druckerei.
Provisionen, Handelsmargen, Honorare.

In einem anderen Modell bezahlt der Produktioner alle Rechnungen der Zulieferer & schreibt dem Auftraggeber eine finale Rechnung, in der eine Handelsmarge & / oder ein Honorar eingerechnet ist.

Einige Produktionsagenturen haben sich auch auf die Optimierung ganzer Budgets spezialisiert. Hier wird durch geschickten Einkauf versucht die Kosten für gedruckte Kommunikation zu senken. Bei Erfolg bezieht die Agentur z.B. ein Erfolgshonorar oder wickelt künftig alle Aufträge für einen spezifischen Kunden zu festgelegten Preisen ab.

Es gibt auch Print Produktioner, die ausschließlich auf Honorarbasis arbeiten. Hier wird ein Stundensatz oder eine Pauschale für ein definiertes Projekt vereinbart.

Wie wird man Print Produktioner?

Der Job des Produktioners ist kein Lehrberuf. Auch ist der Begriff nicht geschützt. Produktioner waren oft Drucker, Medientechniker, Mediengestalter, Grafiker oder ähnliches. Sie durchliefen also in der Regel eine technisch fundierte Ausbildung in der grafischen Industrie. Aus meiner persönlichen Historie heraus kann ich behaupten, dass der Job auch sehr viel Erfahrungswissen verlangt. Je länger jemand diesen Beruf ausübt, desto besser wird er ihn vermutlich ausführen können. Meiner Meinung nach befähigt eine Ausbildung, ein Studium oder ein Meister jemanden nicht zwangsläufig für diesen Beruf. Eine Ausbildung (welcher Art auch immer) in der grafischen Industrie ist aber eine hervorragende Voraussetzung für den Einstieg in diesen spannenden & abwechslungsreichen Beruf.
Erfahrungswissen hat eine große Relevanz.

Der Fachverband Medienproduktion e.V. bietet jedoch Bildungsangebote in diesem Bereich an. Absolventen, welche diese Angebote erfolgreich durchlaufen, dürfen sich „Geprüfter Medienproduktioner / fmp“ nennen. Dieser Titel ist schon seit Jahren in der Branche etabliert, akzeptiert & respektiert.

Und dann gibt es da noch die Printbuyer, Drucksacheneinkäufer sowie Hersteller

Wie bereits erwähnt, ist der Begriff des Produktioners nicht geschützt. Es kursieren mehrere Bezeichnungen für Tätigkeiten, die der des Produktioners ähnlich sind, wie z.B. Drucksacheneinkäufer, Printbuyer oder Hersteller. Hier folgt der Versuch einer Abgrenzung:

Hersteller sind auf Verlagsprodukte, wie beispielsweise Bücher oder Brettspiele, spezialisiert & sind meist in Verlagen beschäftigt.

Drucksacheneinkäufer werden heute oft auch Printbuyer, Printbroker oder Druckagent genannt. Sie sind häufig in Werbeagenturen oder größeren Unternehmen beschäftigt & ihr Tätigkeitsfeld ist dem eines Produktioners sehr ähnlich, bzw. identisch dazu. Es mag vorkommen, dass beim Printbuyer, bzw. Drucksacheneinkäufer der Fokus mehr auf dem Einkauf gedruckter Kommunikation liegt, als auf der Entwicklung anspruchsvoller Druckprodukte.

Zusammenfassung

Der Print Produktioner ist verantwortlich für die technische Entwicklung & qualitativ hochwertige sowie wirtschaftlich sinnvolle Durchführung von Druckprojekten. Er kann Kosten sowie Kommunikationsaufwand innerhalb eines Druckprojektes senken. Produktioner kennen sich mit allen Druckverfahren, Herstellungsprozessen & Drucksubstraten bestens aus. Ein Produktioner arbeitet nicht umsonst, kostet aber möglicherweise nichts. Er arbeitet in Unternehmen, Werbe- sowie Produktionsagenturen oder ist als Freelancer tätig. Er ist zentraler Ansprechpartner für alle Auftraggeber, Grafiker & Zulieferbetriebe. Ein Produktioner kann den Arbeitsalltag in Werbeagenturen & werbetreibenden Unternehmen enorm erleichtern & er macht umfangreichere Druckprojekte oft erst möglich.
Produktioner leisten einen sinnvollen & unverzichtbaren Beitrag bei der Abwicklung komplexer Druckvorhaben.
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