Print Produktionerinnen im Interview.

Print Produktioner finden sich nun wirklich nicht wie Sand am Meer. Frauen, die diesen interessanten & vielschichtigen Beruf ausüben, sind nochmals deutlich seltener anzutreffen. So ist es zumindest in meiner Wahrnehmung. In dieser Interviewserie möchte ich den Frauen aus unserer Branche ein Forum bieten & herausfinden, wie sich das Arbeitsleben von Produktionerinnen gestaltet. Wie nehmen Frauen diesen Job wahr, der ohnehin rar gesät ist & überwiegend von Männern dominiert wird? Wie sind sie zu diesem Job gekommen, wie üben sie ihn aus & mit welchen Herausforderungen haben sie zu kämpfen? Das sind doch spannende Fragen, die ich in diesem & folgenden Interviews gerne klären möchte.

Liebe Dajana, du bist meine erste Interviewpartnerin in dieser Serie, in der es ausschließlich um weibliche Print Produktioner gehen soll. Erzähle uns dich etwas von dir. Wie bist du zu diesem Job gekommen? Warum übst du ausgerechnet diesen Beruf aus? Über welchen Bildungsweg hast du dir die notwendige Kompetenz verschafft & welche beruflichen Stationen hast du hinter dir?

Mein Werdegang begann mit einer Ausbildung im grafischen Bereich als Gestaltungstechnischer Assistent, um anschließend im Druckgewerbe 4 Jahre Erfahrung im Großformatdruck zu sammeln. Da man hier jeden Fehler am Ende der Kette mitbekommt, der am Anfang gemacht wird, entschied ich mich nach 4 Jahren diese Situation für alle Seiten zu verbessern & begann ein Traineeship in einer Werbeagentur als Print Produktioner.

Berufsbegleitend eignete ich mir durch die Fortbildung zum Medienfachwirt in der bbw Akademie der Wirtschaft weitere Kenntnisse im Offsetdruckverfahren, zum Thema Medienrecht, Personalmanagement & weiteres Management Know-How an, um nachfolgend 3 Jahre als Produktioner in einer Festanstellung bei der Heimat Werbeagentur meine Fähigkeiten weiter auszubauen. Erst im Anschluss daran entschied ich mich freiberuflich tätig zu werden, da nun ein gefestigtes Basiswissen vorlag.

Dajana Thieß, Print Produktionerin

Was hat dich dazu gebracht, deinen Job nun im Alleingang, also ohne Agentur im Rücken, in Angriff zu nehmen? Welche Vor- & Nachteile ergeben sich deiner Meinung nach durch das Arbeiten als Freiberuflerin in diesem speziellen Beruf?

Grundsätzlich ist dieser Job eine Rarität, sowohl in einer Festanstellung als auch auf freiberuflicher Ebene. Als Freelancer ist man immer als Kaltakquisiteur unterwegs & bemüht sich dauerhaft um neue Kunden. Dabei bekommt man viele neue Einblicke in unterschiedlichste Unternehmen & dessen Arbeitsweisen. Man knüpft permanent neue Kontakte & hat zwischendurch genügend Möglichkeiten sich weiterzubilden. Durch die freiberufliche Tätigkeit ist die Work-Life-Balance deutlich ausgeglichener, als in der Festanstellung, was zu einer gesünderen Lebensweise & einer höheren Motivation im Berufsleben führt.
„Durch die freiberufliche Tätigkeit ist die Work-Life-Balance deutlich ausgeglichener als in der Festanstellung.“

In welchen Bereichen hast du dich spezialisiert & welche Tätigkeit führst du als Print Produktionerin genau aus? Übernimmst du auch Vorstufenprozesse, wie z.B. Bildbearbeitung & Satz? Hast du dich auf bestimmte Branchen & / oder Produkte spezialisiert? Bist du auch überregional oder sogar international tätig?

Als Print Produktioner ist man sehr vielseitig einsetzbar, indem man Aufgaben wie Kalkulation, Abrechnung, Qualitäts- & Zeitmanagement sowie Lieferanten- & Materialauswahl übernimmt. Durch wechselnde Anforderungen bin ich in der Lage mich stetig weiterzuentwickeln & in diverse Themengebiete neu einzuarbeiten.
Eine Festlegung auf eine bestimmte Sparte kommt für mich aus Gründen der Weiterentwicklungsmöglichkeiten allerdings nicht in Frage, denn so kann ich immer wieder neue Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen sammeln.

Zum Teil bin ich mehrere Monate bei diversen Agenturen innerhalb Deutschlands gebucht & reise deshalb sehr viel. Als freiberufliche Produktionerin ist eine Vorortpräzenz durch die kürzeren Abstimmungswege sehr von Vorteil & meist erwünscht. Grundlegend werde ich bei den Agenturen & Kunden eingesetzt, wenn eine Vertretung im Krankheitsfall, Urlaub oder durch eine Vakanz notwendig ist.

Was rätst du jemanden, der ebenfalls Print Produktioner werden möchte? Denkst du, dass eine Ausbildung, ein Studium oder eine Weiterbildung jemanden für diesen Job befähigt?

Ein Studium für Druck & Medientechnik oder eine Fortbildung zum Medienfachwirt kann bei entsprechender Vorbildung (z.B. Grafiker oder Drucker) den Einstieg in diesen Beruf sehr erleichtern. Allerdings kann man auch als Quereinsteiger den Job wählen, wenn man sich die nötigen Produktioner-Skills aneignet & von Herzen gern organisiert. Die Grundkenntnisse der gängigen Grafikprogramme sollten vorhanden sein, um ein gutes Verständnis für die Abwicklung mit den Dienstleistern & Kollegen mitzubringen & bestmöglich bei Fragen beratend zur Seite zu stehen.

Der Job als Print Produktioner kann ziemlich stressig sein & mit einer reinen Fachkompetenz ist der Beruf sicherlich nicht zu meistern. Welche Kompetenzen, neben der eigentlichen Fachkompetenz, sollte ein angehender Print Produktioner ebenfalls mitbringen?

Verhandlungsfähigkeit, Kostenbewusstsein, Organisationsstärke, eine schnelle Auffassungsgabe, sowie eine sehr kommunikative, direkte & ehrliche Art. Des Weiteren sollte der Wunsch sich ständig weiterzubilden vorhanden sein, um immer up-to-date zu bleiben.
Print Produktioner müssen sich permanent weiterbilden.

In meiner Wahrnehmung ist es so, dass sich unter den ohnehin rar gesäten Print Produktionern überwiegend Männer befinden. Teilst du meine Einschätzung & falls ja, warum denkst du, dass dies so ist?

Als Grundstudium absolvieren die meisten Print Produktioner erst einmal Druck & Medientechnik, welches in eine sehr technische Richtung geht & deshalb gern die männlichen Anwärter anspricht. Allerdings habe ich seit meiner Tätigkeit als Print Produktionerin auch mit vielen Frauen in diesem Bereich zusammen gearbeitet & denke, dass sich die Verteilung zukünftig die Waage halten wird.

Denkst du, dass du durch dein Geschlecht in deinem Job benachteiligt bist? Hast du in dieser Sache schon einmal negative Erfahrungen gemacht? Siehst du vielleicht Vorteile, die sich in deinem Job durch dein Geschlecht ergeben?

Bisher habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht, die sich nachteilig aufgrund meines Geschlechts auf meine Arbeit ausgewirkt haben. Ich denke, dass jeder Job diverse männliche & weibliche Züge benötigt, um ein rundes Profil einer Arbeitskraft & schlussendlich eines gut funktionierenden Teams abzubilden.
„Ich denke, dass jeder Job diverse männliche & weibliche Züge benötigt.“

Ich habe eine relativ lange Liste an Dingen, die mich an meinem Job als Print Produktioner so richtig nerven. Dies ist auch ein Grund dafür, warum ich mich zunehmend um dieses Magazin kümmere. Wie sieht das bei dir aus? Was nervt & stresst dich in deinem Beruf so richtig?

Die Aufgaben eines Produktioners an andere Positionen zu verteilen birgt oft die Gefahr hohe Kosten zu verursachen & Timings nicht halten zu können. Ich bin mit meiner Berufswahl sehr zufrieden, wünsche mir allerdings aus vorgenanntem Grund mehr Verständnis für den Einsatz eines Print Produktioners innerhalb einer Agentur/ eines Unternehmens und dessen Notwendigkeit.
Kosten und Timings sind immer eine große Herausforderung.

Und was befriedigt dich in deinem Job? Was machst du ganz besonders gern?

Liebend gern berate ich & zeige neue Themenbereiche auf. Hier kann ich mich mit Materialien, Formaten, Veredelungen & Umsetzungsmöglichkeiten so richtig austoben. Zudem kommuniziere ich gern mit meinen Dienstleistern & beobachte mit Vorfreude, wie sich der Markt immer weiter entwickelt.

Die meisten Druckjobs werden ohne Print Produktioner gemeistert, obwohl viele Druckprojekte durchaus einen Experten vertragen könnten. Oft bleibt die ganze Arbeit an den Grafikern oder internen Einkaufsabteilungen hängen.  Stress, Ärger & Reklamationen sind vorprogrammiert. Warum glaubst du, werden Print Produktioner so selten eingesetzt?

Tatsächlich, schätze ich, liegt dies an der fehlenden Kenntnis darüber, dass überhaupt Print Produktioner existieren. Hier ist eine klare Aufklärung von Nöten, die den Kunden an die Hand nimmt & ihm aufzeigt welches Potential ein Produktioner im Printbereich eröffnet.
Der Beruf des Print Produktioners ist bei potenziellen Auftraggebern selten bekannt.

Wie sieht dein Wunschkunde aus? Was muss er mitbringen, wie sollten seine Produkte aussehen & an welcher Stelle bindet er dich optimalerweise in den Entwicklungsprozess ein?

Der optimale Kunde handelt in jeder Hinsicht weitestgehend nachhaltig auch bezüglich einer umweltfreundlichen Druckproduktion & bezieht das ebenfalls auf die Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern & Dienstleistern. Hier können noch einige umweltfreundlichere Wege gegangen werden & das am liebsten gemeinsam.
„Der optimale Kunde handelt in jeder Hinsicht weitestgehend nachhaltig.“

Zusätzlich wünsche ich mir mehr Verständnis für den Stundensatz den ich aufrufe. Mein Aufgabengebiet als Produktionerin ist sehr umfangreich & kostet wie von dir bereits erwähnt viele Nerven.

Ein angemessener Stundensatz steht für ein faires Kunden-Dienstleister-Verhältnis.

 

Der Kunde/ die Agentur bindet mich frühestmöglich in den Entwicklungsprozess eines Projekts mit ein, um die bestmöglichen Ergebnisse von Anfang an zu erzielen.  Das erleichtert auch die Abstimmung von Timings & Kosten.

Die Medienbranche befindet sich ja quasi permanent im Umbruch. Durch neue Technologien verändern sich Produktionswege, die wiederum Druckprodukte möglich machen, die vor einigen Jahren noch nicht technisch & / oder wirtschaftlich sinnvoll herstellbar waren. Über welche Medien informierst du dich, um am Ball zu bleiben? Wie verschaffst du dir den Überblick? Denkst du, es ist sehr wichtig, technologisch immer auf dem aktuellsten Stand zu sein oder bildest du dich speziell weiter, sobald dies eine Kundenanforderung notwendig macht?

Spezielle Weiterbildungen in diversen Bereichen (z.B. Projektmanagement mit Level D, SAP, MM, etc.) die mich auf meinem Berufsweg voran bringen, ziehe ich aktuell vor. Nebenher setze ich mich jedoch auch mit Themen auseinander, die vorerst keinen direkten Bezugspunkt zu meiner aktuellen Tätigkeit haben, um daraus eine Symbiose bzw. Überschneidung zu neuen Möglichkeiten & Ideen mit meinen Job zu finden. Ich besuche dazu Messen (wie die Haptika, OMR, ect.) um mich weiterzubilden & auf den neuesten Stand zu bringen. Zudem informiere ich mich über Newsletter vom bvdm, Printelligent, print.de, f.mp, etc., zu aktuellen Themen in der Branche.

Was möchtest du gern angehenden &/ oder gestandenen Kollegen mit auf den Weg geben?

Verbiegt euch bitte nicht um diesen Job auszuüben. Man ist Produktioner, wenn einen diese Arbeit komplett ausfüllt. Das kann man nicht erlernen & auch nicht durch 10 Jahre Berufserfahrung erzwingen. Der Wunsch kommt ganz von selbst & bleibt dann wahrscheinlich für immer.
„Man ist Produktioner, wenn einen diese Arbeit komplett ausfüllt.“

Wenn dich jetzt ein Leser mit einem Job beauftragen möchte, was sollte er für ein erstes Briefing unbedingt mitbringen, um optimal vorbereitet zu sein? Wie kann er am besten Kontakt zu dir aufnehmen?

Wie ein Briefing aussehen kann, bespreche ich gern individuell, da hier projektbezogene Informationen herangezogen werden sollten. Zur Kontaktaufnahme ist eine Brieftaube ganz nett, wobei eine E-Mail mit den Eckdaten natürlich auch erst einmal ausreicht 🙂
Dajana, vielen Dank für das tolle Interview!
Du erreichst Dajana unter: dt(at)print-produktioner.de
Dieses Interview führte Marko Hanecke im März 2018.

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