Klimaneutral Drucken. Der unabhängige Ratgeber.

Eine möglichst umweltfreundliche Druckproduktion gewinnt zunehmend an Relevanz. Möglicherweise fragen deine Kunden (oder dein Arbeitgeber) schon nach konkreten Maßnahmen für eine möglichst ökologische Herstellung von Drucksachen und vielleicht musstest du dich schon etwas mit diesen Fragestellungen auseinandersetzen. Auch wenn Unternehmen & Verbraucher sehr oft noch umweltbelastende Druckprodukte akzeptieren, bin ich davon überzeugt, dass sich auch in diesem Bereich die gesellschaftlichen Ansprüche in den kommenden Jahren massiv verändern werden. Für dich als Entwickler & Auftraggeber gedruckter Kommunikation ist es folglich an der Zeit, eine Kompetenz im Feld der umweltfreundlichen Druckproduktion aufzubauen.

Umweltschonende Druckprodukte werden in Zukunft an Relevanz gewinnen.

Im Zusammenhang mit der Denkweise einer möglichst umweltschonenden Druckproduktion fällt schnell der Begriff des klimaneutralen Druckens, welcher einen, in Kombination mit anderen Maßnahmen, sinnvollen Beitrag zum Klima- & Umweltschutz beitragen kann. Aber jetzt mal ehrlich: Kennst du dich wirklich mit dem klimaneutralen Drucken aus? Weißt du, wie Emissionen, die durch deine Druckaufträge verursacht werden, berechnet werden? Kennst du Klimaschutzprojekte, die mit den Geldern aus Klimazertifikaten finanziert werden? Vermutlich wirst du diese Fragen mit nein beantworten müssen. Du benötigst aber eine glaubhafte Beratungskompetenz, wenn du Auftrags- & Arbeitgeber von der Idee & Notwendigkeit einer umweltfreundlichen Druckproduktion überzeugen möchtest.

Der folgende Artikel soll dir dabei behilflich sein, eine entsprechende Kompetenz im Bereich des klimaneutralen Druckens für deine Kundenberatung aufzubauen. Mit dem hier bereitgestellten Wissen möchte ich dich in die Lage versetzen, deine Kunden & Auftraggeber neutral, unabhängig sowie glaubwürdig in diesen Fragen zu beraten.

Das klimaneutrale Drucken ist nur eine von vielen Umweltschutzmaßnahmen bei der Produktion gedruckter Kommunikation.

Teil 1: Einleitung

Die beginnende Klimaveränderung steht im Fokus der Öffentlichkeit & führt zu einem gesellschaftlichen Bewusstseinswandel, der möglichst umweltschonende Dienstleitungen & Produkte in den Mittelpunkt stellt. Die große Mehrheit der Wissenschaftler & Klimaforscher ist sich sicher, dass die beginnende Veränderung des Klimas durch die Anreicherung von Kohlendioxid (CO2), anderer Treibhausgase & Feinstaub in der Atmosphäre beeinflusst wird. Diese Emissionen entstehen (unter Anderem) durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und damit direkt & indirekt auch bei der Produktion von Drucksachen sowie bei der Bereitstellung der dafür benötigten Ressourcen.

Mit Berechnungsmodellen, die sich am Stand der heutigen Wissenschaft orientieren, ist es möglich, CO2-Emissionen (sowie deren Äquivalente), die bei der Herstellung von Drucksachen anfallen, relativ exakt zu ermitteln. Der berechnete Wert wird oft CO2-Fußabdruck, Carbon Footprint oder auch CO2-Bilanz genannt & in Kilogramm pro (in unserem Fall) spezifischen Druckjob ausgedrückt. Mit einem für die grafische Industrie ausgelegten CO2-Rechner kann eine Druckerei also berechnen, wie hoch die Emissionen sind, die bei der Herstellung deines Druckjobs anfallen. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, welche ich in diesem Artikel detailliert beschreibe.

kompensieren, stilllegen, neutralisieren

Die berechneten Emissionen kannst du als Auftraggeber durch den Ankauf sogenannter Klimaschutzzertifikate kompensieren (stilllegen & neutralisieren sind weitere Begriffe, die gerne verwendet werden). Denn mit den Einnahmen aus dem Kauf dieser Zertifikate können Projekte finanziert werden, die dazu geeignet sind, Emissionen an anderer Stelle zu vermeiden.

Eine standardisierte Bezeichnung für diesen Prozess existiert nicht, weshalb auch hier viele Begrifflichkeiten kursieren:

  • klimaneutrales Drucken
  • CO2-neutrales Drucken
  • low emission printing
  • CO2-reduzierter Druck
  • emissionsfreies Drucken
  • CO2-kompensiertes Drucken

Also, nicht verunsichern lassen, denn mit den genannten Begriffen ist immer die Berechnung von CO2-Emissionen und deren anschließende Kompensierung durch Klimaschutzzertifikate gemeint.

Druckereien sind ebenso in der Verantwortung…

Ziel einer ökologisch ausgerichteten Druckerei muss es unter Anderem sein, den Ausstoß klimaschädlicher Gase permanent zu verringern. Basis für die Verringerung von CO2-Emissionen ist die Ermittlung von Emissionsquellen & deren Quantifizierung. Nur mit Hilfe dieser Ist-Analyse lassen sich anschließend Reduktionspotenziale identifizieren & Klimaschutzstrategien sinnvoll entwickeln.

Das Ziel dieser Anstrengungen ist es nicht, den Ausstoß von Emissionen komplett zu vermeiden. Denn Treibhausgase werden (zumindest nach dem heutigen Stand der Wissenschaft & Technik) bei der Produktion von Drucksachen (sowie aller anderen Güter & Dienstleistungen) immer entstehen. Es gilt also der Grundsatz:

Vermeiden, Reduzieren & erst dann Kompensieren

Es verbleiben also immer Emissionen, die unmöglich, nur schwer oder wirtschaftlich nicht sinnvoll zu vermeiden sind. Die Höhe der berechnetet Emissionen ist dabei von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig, welche ich dir in den folgenden Artikeln vermitteln möchte. Grundsätzlich lässt sich aber an dieser Stelle behaupten, dass unter identischen Druckbedingungen in Druckereien mit einem aufrichtigen, ökologischen Engagement sehr wahrscheinlich weniger Emissionen anfallen, als in Druckereibetrieben, für die eine umweltfreundliche Druckproduktion nur eine Marketingmaßnahme ist.

Jede Öko-Druckerei sollte die Berechnung von druckjobspezifischen CO2-Emissionen anbieten. Aber nicht jede Druckerei, die diese Möglichkeit bietet, ist damit gleichzeitig ein umweltfreundlicher Betrieb.

Im Artikel „Kriterien zur Auswahl umweltfreundlicher Druckereien“ berichtete ich schon davon, dass sich viele Druckereien gerne ein Öko-Mäntelchen überziehen. Und an diese Stelle möchte ich noch einmal verdeutlichen, dass die reine Implementierung eines CO2-Rechners in einer Druckerei kein starkes Indiz für ein aufrichtiges Engagement im Umweltschutz ist. In meinen Augen ist das klimaneutrale Drucken nur im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen sinnvoll, um die Umweltleistung von Prozessen & Druckprodukten glaubwürdig zu verbessern.

…wie Grafiker & Printbuyer.

Die Emissionen, welche deine Druckerei für dich berechnet hat, kannst du als Auftraggeber dieser Drucksache über den Ankauf entsprechender Klimaschutzzertifikate kompensieren. Gelder, die so generiert werden, fließen in die Finanzierung von Klimaschutzprojekten. Diese können beispielsweise aus Windparks oder Aufforstungsprojekten bestehen & berücksichtigen oft auch soziale sowie ökonomische Aspekte. Diese Vorhaben sind also (auch) geeignet, um Emissionen an anderer Stelle einzusparen. Ein klassischer Ablasshandel also. Aber, so soll dieser Artikel zeigen, ein Ablasshandel, welcher unter bestimmten Bedingungen & in Kombination mit anderen Maßnahmen Nachhaltigkeitskriterien erfüllen kann.
Recyclingpapiere und exakte Druckauflagen können die Umweltbelastung einer Drucksache enorm verringern.

Aber nicht nur deine Druckerei kann einen Beitrag dazu leisten, die Emissionen, welche durch deinen Druckjob entstehen, zu verringern. Du hast ebenfalls vielfältige Möglichkeiten, deine Druckprodukte möglichst umweltfreundlich zu gestalten. Beispielsweise die Auswahl eines umweltfreundlichen Papiers und die Einschätzung der exakten Druckauflage können die Emissionen einer Drucksache enorm verringern. In einem späteren Artikel zeige ich dir detailliert auf, was du unternehmen kannst, um die Umweltbelastung gedruckter Kommunikation möglichst gering zu halten.

Im zweiten Teil dieses Ratgebers lernst du, wie genau ein Klimarechner funktioniert und welche internen & externen Parameter einer Druckerei die Emissionen einer Drucksache beeinflussen.

Dieser Artikel wird in dieser oder ähnlicher Form im Buch mit dem Arbeitstitel “Kompendium zur nachhaltigen Medienproduktion“ im November 2018 erscheinen. Hier auf PRINTELLIGENT kannst du den Entstehungsprozess live mitverfolgen. Du bist eingeladen, Artikel konstruktiv zu kommentieren & Themenvorschläge einzureichen.
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