Umweltfreundlich Drucken mit Graspapier

Druckprodukte aus Graspapier sind dir vielleicht schon einmal begegnet. Einige Supermärkte & Markenartikler setzten es bereits ein & realisieren so eine möglichst umweltfreundliche & nachhaltige Produktverpackung. In meinem Artikel über Umweltdruckereien hast du bereits gelernt, dass Druckbetriebe viel dazu beitragen können, ein Druckprodukt umweltfreundlicher zu produzieren. Aber der größte Einfluss auf die Umweltbilanz einer Drucksache hat noch immer das eingesetzte Papier. Es ist also fast zweitrangig, ob du bei einer Umweltdruckerei produzieren lässt oder nicht, solange du das „falsche“ Papier auswählst.

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Um Papier, Karton & andere Drucksubstrate umweltfreundlicher zu gestalten, forschen einige schlaue Köpfe schon länger an Alternativen zum Rohstoff Holz. Uwe D’Agnone ist einer von Ihnen. Und ich habe ihn zu seiner Erfindung, dem Graspapier, interviewen dürfen. Folgend erfährst du, warum du Graspapier für deinen nächsten Druckjob in Erwägung ziehen solltest & natürlich auch einige spannende Hintergründe zur Entwicklung dieses (noch) ungewöhnlichen Papiers.

Das Interview mit dem Erfinder des Graspapiers

Uwe Dagnone

Hat das Graspapier erfunden. Uwe D’Agnone.

Hallo Herr D’Agnone,
in Ihrem Geschäftsfeld GRASSFIBRE entwickeln Sie in Zusammenarbeit mit Papierherstellern, Papiere und Pappen, mit einem Grasanteil von bis zu 50%. Die Papierhersteller sind ja schon lange auf der Suche nach Substituten zum Rohstoff Holz. Wie sind Sie dazu gekommen, mit Gras in der Papierherstellung zu experimentieren?

Ich habe mich vor rund 6 Jahren gefragt, ob man Papier nicht noch nachhaltiger herstellen kann und kam auf die Idee mit dem Gras. Es ist im Vergleich zu Holz bereits recht weich in seiner natürlichen Konsistenz, da es wenig Lignin enthält und ich dachte mir, wenn man das zur Papierproduktion nutzen kann, benötigt man sicher viel weniger Energie, Wasser und Chemie. Bereits die ersten zaghaften Versuche haben gezeigt, dass es funktionieren könnte…

Papier aus Gras

Eine Auswahl der verschiedenen Grammaturen.

Ich muss nicht lange darüber nachdenken, um zu erkennen, dass Graspapier deutlich umweltschonender als Papier aus Frischfasern sein muss. Gibt es bezüglich der Umweltverträglichkeit belastbare Zahlen und Untersuchungen? Und woher beziehen Sie eigentlich das Gras und wie wird dieses vor der Papierherstellung behandelt?

Wir haben in 2015 und erneut im Herbst 2017 eine Ökobilanz erstellen lassen, welche die Vorteile von Gras gegenüber Holz oder Altpapier deutlich aufzeigt. In einer durch die DBU geförderten Studie in 2016 konnten wir ebenfalls die positiven Eigenschaften des Rohstoffs dokumentieren und darüber hinaus das Thema Rohstoffverfügbarkeit klären. Das von uns eingesetzte Gras stammt überwiegend aus Ausgleichsflächen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Der Rohstoff wird rein mechanisch aufbereitet, ohne den Einsatz von Chemie.
Der Rohstoff kommt ohne Chemie aus. Das Gras kommt von Flächen, die landwirtschaftlich nicht genutzt werden.

Wie wirkt sich eine Grasbeimengung im Produktionsprozess auf die Papiereigenschaften aus? Wie sieht das Papier aus, wie verhält es sich mit der Steifigkeit, dem Volumen, usw.? Eignet es sich für alle Druckverfahren und Druckveredelungen? Ist etwas bei der Weiterverarbeitung zu berücksichtigen und ist Ihr Drucksubstrat auch für den Lebensmittelbereich geeignet?

Der Rohstoff ist volumenbildend, d.h. man benötigt weniger Material, um das gleiche Flächengewicht zu erreichen. Allerdings hat es je nach Einsatzbereich etwas schwächere Festigkeitswerte. Seine Eigenschaften kann der Rohstoff Gras besonders bei Verpackungen ausspielen. Seitens des Drucks gibt es keinerlei Einschränkungen. Papiere und Verpackungen, in denen Gras in der Rezeptur ist, sind für den Lebensmittelbreich zugelassen und zertifiziert.

Creapaper hat den begehrten KfW Award für Gründer gewonnen.

Welche besonderen Herausforderungen ergaben sich im Entwicklungsprozess? Auf welche unerwarteten Hürden sind Sie gestoßen?

Natürlich hat jeder „Papierexperte“ zunächst einmal gesagt, das sei technisch unmöglich. Wenn man das ignoriert und beharrlich daran glaubt, erscheinen einem im Rückspiegel betrachtet die technischen Hürden einfach nur als notwendige Herausforderungen. Am schwierigsten war es, die ersten Papierfabriken davon zu überzeugen, den neuen Rohstoff im industriellen Maßstab auf den großen Papiermaschinen zu testen.

Wie ist der Entwicklungsstand? Ist Graspapier schon im großen Maßstab verfügbar? Welche Grammaturen und Qualitäten sind erhältlich, bzw. befinden sich gegenwärtig in der Entwicklung? Wie sieht mittelfristig die Rohstoffverfügbarkeit aus? Gibt es ausreichend Gras, auch für größere Mengen Graspapier?

Das Produkt ist serienreif und im Einsatz. Kunden wie REWE oder Penny haben bereits mehrere Millionen Obst –und Gemüseschalen für den Biobereich im Markt. Zahlreiche weitere Lebensmitteldiscounter sind in der Testphase und werden im laufenden Jahr ihre individuellen Grasverpackungen auf den Markt bringen.

Stand heute kann man 90% aller Papier- und Verpackungsanwendungen unter Verwendung von Gras in der Rezeptur produzieren. Unsere Studien haben ergeben, dass im Umkreis von 50 km um jede Papierfabrik in Deutschland mehr als 150.000 Tonnen Gras verfügbar sind – also mehr als genug, um es im industriellen Maßstab einzusetzen!

Der Rohstoff Gras wächst quasi in der Nachbarschaft der Papierfabriken.

Wird Gras als Substitut nur für Recyclingpapier verwendet oder ist auch Graspapier auf der Basis von Frischfasern erhältlich?

Beides. Gerade als Frischfaserersatz kann Graspapier – neben seinen ökologischen – auch seine ökonomischen Vorteile ausspielen, denn es ist bis zu 40% günstiger, als Frischfasern aus Holz.

Graspapier Papierfabrik

Herr D’Agnone bei der Qualitätskontrolle in einer Papierfabrik.

Die Zahl der Menschen, die unter einer Gras- und Pollenallergie leiden, steigt ja leider stetig. Müssen Allergiker Angst vor körperlichen Reaktionen haben, wenn diese Ihr Graspapier nutzen?

Nein, überhaupt nicht. Das Produkt ist getestet, zertifiziert und nachweislich für Allergiker geeignet.

Lässt sich Graspapier problemlos recyceln und verhält es sich im Recyclingprozess ähnlich wie Papier?

Graspapier ist recyclingfähig und kompostierbar!

Ihr Graspapier wird ja noch nicht in einem riesigen Maßstab hergestellt. Wie verhält es sich mit den Kosten? Ist das Graspapier zu ähnlichen Preisen zu bekommen, wie das konventionell hergestellte Papier?

Ja, sicher, denn nur so ist es gewährleistet, dass sich der neue Rohstoff auch im Markt etabliert und durchsetzt!

Ein Beitrag über Graspapier, veröffentlicht im Bayerischen Rundfunk.

Herr D’Agnone, in welchen Druckprojekten wurde Ihr Graspapier bereits verwendet. Welche spannenden Produkte wurden tatsächlich realisiert. Mögen Sie ein paar Beispiele nennen?

Einer der ersten Kunden, der Graspapier eingesetzt hat, war der OTTO-Versand, der daraus einen Schuhkarton produziert hat. Die ersten richtig großen Stückzahlen konnten wir mit REWE und Penny verzeichnen. Jetzt sind ALDI, LIDL, dm und zahlreiche Markenartikelunternehmen, wie Coca-Cola, u.a., in der Umsetzungsphase.

Die Entwicklungskosten waren ja sicherlich nicht niedrig. Wie konnten Sie Ihre Forschungsarbeiten finanzieren? Wie sehen Ihre künftigen Pläne aus? Worauf dürfen wir uns freuen?

Wir haben uns die ersten 5 Jahre über „Family & Friends“ finanziert, bevor dann in 2017 einen Investor an Bord geholt haben. Wir haben den Ehrgeiz, Gras als dritten Rohstoff in der Papierindustrie zu etablieren – und das international – eine Herausforderung, der wir uns voll und ganz verschrieben haben und auf die wir uns sehr freuen!
„Wir haben uns die ersten 5 Jahre über „Family & Friends“ finanziert“

Mein Fazit

Die konventionelle Papierherstellung ist sehr ressourcenintensiv. Das eingesetzte Holz muss oft sehr weite Strecken bis zur Papierfabrik zurücklegen & wird chemisch behandelt, um das im Holz gebundene Lignin auszuwaschen.  Ganze Urwälder werden vernichtet, um den begehrten Rohstoff (nicht nur) für die Papierindustrie zu gewinnen. Da macht es Sinn, zumindest einen Anteil des Holzes durch einen anderen Rohstoff zu ersetzten. Gras wächst ja bekanntlich überall & deutlich schneller als ein Baum. Und dass dieses Gras auch noch in ausreichenden Mengen & auf quasi unbewirtschafteten Flächen, in unmittelbarer Nähe zu den Papierfabriken, wächst, vermeidet lange Transportwege. Auch wird beim Graspapier viel weniger Wasser & Energie benötigt. Die Ökobilanz ist laut aktuellen Untersuchungen deutlich besser, als die von Papier aus Frischfasern. Ein weiterer Bonus: Das Graspapier lässt sich problemlos recyceln & auch kompostieren. Zudem ist es – trotz des Grasanteils – für Allergiker unbedenklich.

Das Graspapier hat mich überzeugt. Aufgrund der besonderen Haptik, Farbe & Oberflächenbeschaffenheit ist dieses Papier sicherlich nicht für jedes Druckprodukt geeignet. Besonders gut lässt sich meiner Meinung nach das Papier im Verpackungsbereich und für alle Drucksachen, die für eine umweltbewusste Zielgruppe konzipiert sind, einsetzen. Das Druckbild sieht trotz der etwas rauen Oberfläche knackig & scharf aus. Das Graspapier hat ein hohes Volumen, wirkt etwas steifer, als „normales“ Papier & fasst sich ganz hervorragend an. Es sieht sehr interessant aus, denn einzelne Faseranteile sind sichtbar, was dem Papier eine einmalige Struktur verschafft.

Für mich ist das Graspapier eine gute Alternative zum klassischen Recyclingpapier.

Ich freue mich schon darauf, mein erstes Projekt mit diesem besonderen Papier realisieren zu dürfen. Als Print Produktioner werde ich Graspapier bei passenden Kunden künftig auf jeden Fall vorschlagen. Komisch eigentlich, dass keine einzige mir bekannte Umweltdruckerei dieses Papier aktiv anbietet. Das Graspapier ist in folgenden Grammaturen erhältlich: 85, 95, 110, 130, 150, 205, 250, 275, 300 & 390 g/m².

Creapaper im Kurzporträt

Die creapaper GmbH produziert mit einem patentierten Verfahren einen alternativen Rohstoff für die Papier- und Verpackungsindustrie auf Basis von Gras, bzw. Heu, und spart so bis zu 75% der CO2-Emissionen bei der Herstellung, reduziert den Wasserverbrauch von 6.000 auf 2 Liter pro Tonne und benötigt keine Chemie.

Hier findest du Creapaper im Internet

 

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2 Kommentare

  1. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die einzigen beiden Papierfabriken, die aktuell ein tatsachlich verwendbares Endprodukt herstellen Buchmann und Scheufelen aus Deutschland sind. Viele Grüße Martin

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