Was du als Printbuyer & Grafiker über die Lichtechtheit von Druckfarben wissen solltest.

Während wir Menschen im Winter aufgrund der reduzierten Sonneneinstrahlung zu Blässe neigen, ist dies bei Druckfarben genau andersherum. Der UV-Anteil in Kunst- & Sonnenlicht lässt Farben auf Druckprodukten unweigerlich verblassen. Bei kurzlebigen Produkten mag dies weniger ein Problem sein, als bei Drucksachen, die über einen längeren Zeitraum im Außenbereich eingesetzt oder im Innenbereich dauerhaft künstlich beleuchtet werden. Betroffen sind also beispielsweise:
  • Plakate
  • Schaufensterbeschriftungen
  • Werbetafeln
  • LKW-Planen
  • Fahrzeugbeschriftungen
  • Bauschilder
  • Tapeten
  • Fahnen
  • Speise- & Getränkekarten

Aber auch die Farben hochwertiger Kunstdrucke oder edler Verpackungen sollten lange schön kräftig wirken.

 Die Lichtechtheit der Druckfarbe muss dem Einsatzzweck der Drucksache gerecht werden.

Für dich als Gestalter & Printbuyer ist es also wichtig zu wissen, welche Druckfarben & Druckverfahren einzusetzen sind, um Drucksachen unter Einwirkung von Sonnenlicht möglichst lange gut aussehen zu lassen. Leider ist dieses Thema nicht so trivial, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint. Denn nicht alle Druckfarben lassen sich in allen Druckverfahren verwenden. Und nicht jedes Druckverfahren ist für ein spezifisches Produkt wirtschaftlich & / oder technisch sinnvoll einsetzbar.

Zur Ausbleichung der Druckfarben kommt es, da UV-Strahlen die Struktur von Pigmenten & Bindemitteln verändern. Dies führt zu einer Modifikation des Reflexions- & Absorptionsverhaltens der farbgebenden Bestandteile der Druckfarbe – sie bleicht aus. Die Beständigkeit von Druckfarben unter Einwirkung von UV-Licht nennen wir Lichtechtheit. Diese gibt Auskunft darüber, wie lange eine Farbe der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden kann, ohne dass diese Druckfarbe unter einer mit dem menschlichen Auge wahrnehmbaren Farbveränderung leidet.

Unter Lichtechtheit verstehen wir die Widerstandsfähigkeit einer Druckfarbe (oder anderer Materialien) unter Einwirkung von UV-Licht ohne direkten Einfluss der Witterung.

Die Wollskala

Der Lichtechtheitsfaktor von Druckfarben wird mit der Wollskala (WS) definiert, wobei die folgenden Eigenschaftswörter & Skalen industrieweit gültig sind. Die Werte in Klammern zeigen dir auf, wie viele Tage ca. die Drucksache bei Tageslicht eingesetzt werden kann, ohne dass diese wahrnehmbar verblasst. Da hier nur Tageslicht & keine direkte & dauerhafte Sonneneinstrahlung berücksichtigt wird, sprechen wir auch von einer Freibelichtungsdauer. Diese Werte sind gültig für den mitteleuropäischen Raum, können aber innerhalb dieser doch recht weit gefassten Region stark schwanken, da der UV-Anteil des Sonnenlichtes von Norden nach Süden zunimmt.
  • WS 8: hervorragend (700 Tage)
  • WS 7: vorzüglich (350 Tage)
  • WS 6: sehr gut (160 Tage)
  • WS 5: gut (80 Tage)
  • WS 4: ziemlich gut (40 Tage)
  • WS 3: mäßig (20 Tage)
  • WS 2: gering (10 Tage)
  • WS 1: sehr gering (5 Tage)
WS = Wollskala / WS 1 weist eine sehr geringe & WS 8 eine sehr hohe Lichtechtheit auf. Von Faktor zu Faktor verdoppelt sich ungefähr die mögliche Belichtungszeit. Druckfarben, die einen hohen Lichtechtheitsfaktor aufweisen, neigen also unter Einfluss von UV-Licht weniger zum Ausbleichen, als Farben mit einem geringen Lichtechtheitsfaktor.
Bei direkter Sonneneinstrahlung verringern sich die hier dargestellten Werte auf ca. die Hälfte. Hierzu ein kleines Beispiel:
Ein Druck, der eine Wollskala von 4 aufweist & 8 Stunden am Tag direkter Sonneneinstrahlung während eines Sommers in Deutschland ausgesetzt wird, wird nur ca. 20 anstatt 40 Tage seine volle Farbpracht beibehalten.

 

Achtung: Bei einem Druck mit mehreren Farben, wie z.B. CMYK, definiert die Farbe mit dem geringsten Lichtechtheitsfaktor den Wert der gesamten Drucksache! Gelb & Magenta haben in der Regel geringere Lichtechtheiten als Schwarz & Cyan.

Bei der Ermittlung der Lichtechtheit von Druckfarben (oder anderer Materialien) wird eine Messprobe zusammen mit dem Lichtechtheitsmaßstab (8 blau eingefärbte Wollgewebestreifen mit unterschiedlicher Lichtechtheit) mit einer Lampe belichtet, dessen Licht dem des Tageslicht sehr ähnlich ist. Die Lichtechtheit der Messprobe wird festgestellt, indem die Veränderung der Probe zur Veränderung der Wollstreifen begutachtet wird. Dies kann mit dem Auge als auch messtechnisch geschehen.

Einflussfaktoren auf die Lichtechtheit von Farben

Folgend erläutere ich die Einflussfaktoren, die bei der Lichtechtheit einer Drucksache entscheidend sind. Dieses Wissen benötigst du, um entsprechende Drucksachen fachmännisch & gemäß des Einsatzzwecks beschaffen zu können.

Druckfarben

Wie bereits erwähnt, sind die einsetzbaren Druckfarben vom Druckverfahren abhängig. Dabei haben folgende Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf die Lichtechtheit einer Druckfarbe:
  • Qualität des Farbpigments

Die Beschaffenheit des Farbpigmentes hat den größten Einfluss auf die Lichtechtheit einer Druckfarbe. Die Pigmentqualität kann dabei von Druckfarbenhersteller zu Druckfarbenhersteller stark schwanken.

  • Konzentration der Pigmentierung

Je höher der Farbpigmentanteil einer Druckfarbe ausfällt, desto höher ist die Lichtechtheit.

  • Farbschichtdicke

Die Dicke der Farbschicht hat keinen großen aber in einigen Druckverfahren ggf. relevanten Einfluss auf die Lichtechtheit einer Drucksache.

  • Partikelgrößen der Farbpigmente

Der Einfluss der Partikelgrößen der einzelnen Farbpigmente ist gering, soll hier aber nicht unerwähnt bleiben. Je kleiner die Farbpigmentpartikel einer Druckfarbe sind, desto geringer fällt der Lichtechtheitsfaktor aus.

Alle Angaben zur Lichtechtheit sind Laborwerte! In der Praxis können sich daher Abweichungen zu den Werten der Wollskala ergeben.

Druckverfahren

Da das Druckverfahren die Druckfarbe & damit auch die Lichtechtheit einer Drucksache bestimmt, habe ich dir hier die häufigsten Druckverfahren aufgelistet. Damit du Druckproduckte, bei denen es auf eine bestimmte Lichtechtheit ankommt, professionell beschaffen kannst, habe dir auch die wirtschaftlich sinnvollen Auflagen jedes Druckverfahrens aufgelistet. Alle gemachten Angaben beziehen sich auf die Freibelichtungsdauer.
  • Siebdruck

Im Siebdruck können Farben mit den höchsten Lichtechtheiten verdruckt werden. Es ist möglich, Drucke anzufertigen, die bis zu 4 Jahre im Außenbereich einsetzbar sind, ohne dass diese wahrnehmbar verblassen. Dieses Druckverfahren ist jedoch erst bei mittleren bis hohen Auflagen wirtschaftlich sinnvoll einsetzbar.

Tagesleuchtfarben werden oft im Siebdruck verdruckt. Diese bleichen in der Regel sehr schnell aus (ca. WS 1-3). Also hier unbedingt genau nachfragen.
  • Tintenstrahl basierter Digitaldruck (Inkjet)

Werden beim Tintenstrahl-Digitaldruck (Inkjet) UV-härtende Farben oder Eco-Solvent-Farben verwendet, ist die Lichtechtheit vergleichbar mit der beim Siebdruck. 3-4 Jahre im Außeneinsatz sind also problemlos möglich. Da im Digitaldruck keine Druckform (wie z.B. Siebe oder Druckplatten) anzufertigen ist, sind auch Kleinstauflagen wirtschaftlich sinnvoll herstellbar. Auch riesige Formate sind zu recht geringen Kosten möglich.

  • Offsetdruck mit UV-Härtung

Drucke, die im Offsetdruck mit UV-Härtung produziert werden, können bis zu 18 Monaten im Außenbereich eingesetzt werden. Viele Onlinedruckereien, die im Sammeldruck drucken, verwenden die UV-Härtung. Das wirtschaftliche Auflagenspektrum reicht daher von kleinen bis sehr hohen Druckauflagen.

  • Tonerbasierter Digitaldruck

Im tonerbasierten Digitaldruck (Laserdruck) lassen sich keine besonders lichtechten Farben verdrucken. Drucke, die mit diesem Druckverfahren produziert werden, können zwischen 6 & 12 Monaten im Außenbereich eingesetzt werden, ohne zu verblassen. Kleine bis mittlere Auflagen lassen sich mit diesem Druckverfahren ökonomisch umsetzten. Bei personalisierten Druckprodukten ist der Digitaldruck das einzig sinnvolle Druckverfahren.

  • Offsetdruck mit konventioneller Trocknung

Im konventionellen Offsetdruck trocknen die Farben durch Wegschlagen & Verdunsten. Die Lichtechtheit der Druckfarben ist eher schlecht. Druckprodukte können zwischen 6 & 9 Monate im Außenbereich eingesetzt werden. Wirtschaftlich sinnvolle Auflagen sind im mittleren sowie hohen Bereich angesiedelt.

  • Flexodruck

Beim Flexodruck verhält es sich ganz ähnlich wie beim Offsetdruck mit konventioneller Trockung. Die Freibelichtungsdauer liegt zwischen 6 & 9 Monate. Für kleine Druckauflagen ist dieses Druckverfahren aus wirtschaftlichen Gründen nicht geeignet.

Viele Hersteller von Drucksubstraten, wie Papiere & Folien, geben eine Lebensdauer an, welche die Freibelichtungsdauer der verdruckten Farben oftmals übersteigt. Ausschlaggebend ist hier also die Lichtechtheit der Druckfarben & nicht die Lebensdauer der Drucksubstrate.

Weitere Einflussfaktoren

Neben dem Druckverfahren & den eingesetzten Druckfarben spielen weitere Faktoren eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, Drucksachen im Außenbereich oder unter permanenter künstlicher Beleuchtung lange farbenfroh aussehen zu lassen.
  • Lichtechtheit von Drucksubstraten

Drucksubstrate, wie beispielsweise Papiere, neigen dazu, unter Einfluss von UV-Strahlung ihre Farbe zu verändern. Sollte das eingesetzte Substrat schneller vergilben, als die Druckfarbe ausbleicht, haben wir also auch einen negativen Effekt auf die Farbwiedergabe. Auch durchgefärbte Papiere & Kartons neigen dazu, auszubleichen. Dieser Faktor ist also unbedingt bei der Planung eines Druckjobs zu berücksichtigen.

  • Witterung

Die Witterung kann natürlich auch dazu beitragen, dass ein Druckprodukt im Außenbereich schneller unansehnlich wird. Die Wahl des für den Einsatzzweck richtigen Drucksubstrates ist daher ebenfalls ein elementarer Faktor.

  • Chemikalien

Ist ein Druckprodukt Chemikalien ausgesetzt, wie es z.B. im Verpackungsbereich vorkommen kann, dann muss die Farbe unbedingt alkaliecht sein. Nur so verhinderst du, dass sich die Farbe ablöst oder im Ton verändert.

  • Lackierungen & Kaschierungen

Lacke & Kaschierungen können dazu beitragen, die Lichtechtheit von Farben zu verbessern. Sie können ebenfalls die Kratz- & Scheuerfestigkeit erhöhen.

Achtung: Kaschierungen & Lacke können die Farbwiedergabe beeinflussen.

Verwendungszwecke von Drucksachen unter Berücksichtigung der Lichtechtheit

Da die Lichtechtheit der eingesetzten Druckfarben zum Verwendungszweck der Drucksache passen muss, habe ich dir hier einige Produktbeispiele mit den entsprechenden Lichtechtheitsfaktoren verknüpft:
  • WS 1-2: Hygienepapiere, Postwurfsendungen, Tüten für Backwaren
  • WS 3-4: Kataloge, Bücher, Geschäftsberichte
  • WS 5-6: Verpackungen für z.B. Kosmetik & Lebensmittel, Buchumschläge
  • WS 6: Plakate, Straßenkarten, Wander- & Stadtpläne, Reiseführer
  • WS 7 – 8: Jahreskalender, Tapeten, Außenaufkleber, Kunstdrucke, Textilien, Fahnen

 

Zusammenfassung & Fazit

Der UV-Anteil in Kunst- & Sonnenlicht lässt Druckfarben verblassen. Die Lichtechtheit beschreibt die Resistenz einer Druckfarbe unter Einwirkung von UV-Licht ohne direkten Einfluss der Witterung. Die Lichtechtheit wird mit der Wollskala bestimmt, die von 1 (sehr geringe Widerstandsfähigkeit) bis 8 (hervorragende Widerstandsfähigkeit) reicht. Da nicht alle Farben in allen Druckverfahren verwendet werden können, muss das Druckverfahren zum Einsatzzweck des Druckproduktes passen. Hierbei spielen auch wirtschaftliche & technische Erwägungen eine Rolle. Auch das Drucksubstrat muss sorgfältig & anhand der Anforderungen ausgewählt werden.

Für dich als Gestalter & Einkäufer von Drucksachen ist es also wichtig zu wissen, welche Faktoren zu beachten sind, wenn ein Druckprodukt den Anforderungen im Außenbereich gerecht werden muss. Gehe diese Faktoren bereits im Kundengespräch & bei der Planung von Druckprojekten durch. Ermittele die genauen Anforderungen & den späteren Einsatzzweck. Nur unter Berücksichtigung der Lichtechtheit, der passenden Drucksubstrate & korrekten Druckverfahren bleiben Drucksachen auch unter Sonneneinstrahlung & Witterungseinflüssen farbenfroh & ansehnlich. Und du wirst nicht blass, sollte dein Kunde dich aufgrund einer Fehlberatung kontaktieren.

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